Die Schallhafen Jahrescharts 2017: Marc

Geschrieben von: Marc Oliver Braun am .


Schallhafenkäpt'n Marc blickt auf ein tolles Jahr in Sachen Musik & Pokultur zurück.

Ganz wörtlich zum allerletzten Tag des Jahres, dem Ende von 2017, kommen nun unsere Jahrescharts ohne großes Vorwort oder das obligatorische Philosophieren über Sinn- und Unsinn von diesen Jahreslisten. Hier unsere absoluten Lieblinge des Jahres. Den Anfang macht Hafenkäpt'n Marc. Übrigens: Meine Anspieltipps der Alben überschneiden sich bewusst nicht mit meinen Songs des Jahres, damit ihr direkt wisst, was neben denen noch so meine Lieblinge sind.

>> Die besten Alben des Jahres 2017 <<

1. Antilopen Gang - Anarchie und Alltag

Die Antilopen Gang konnte mein rapgeprägtes Herz erst im Jahre 2015 erobern, ein Jahr nachdem ihr Durchbruchs-Album erschien und ihnen durch den Suizid von NMZS zuvor viel tragische Aufmerksamkeit zuteil wurde. Auf einer Bühne gesehen hatte ich sie da jedoch, wenn auch relativ unbewusst, schon längst: Nämlich 2012 im Rahmen des Open Source Festivals, das damals noch ein Nacht-Line Up in verschiedenen Clubs anbot. Wie einige Zuschauer im Stahlwerk hab ich mit meinem besten Kumpel eigentlich nur auf den Studenten-Gassenhauer "Fick die Uni" gewartet, aber da noch nicht gecheckt, dass die Gang viel, viel mehr ist als das. Was ich damit meine, haben sie mit dem aktuellen Album wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Ganz schön facettenreich präsentiert sich das Trio, denn auf der Platte findet sich nicht nur textlich scharfes Psychogramm wie "ALF" oder "Patientenkollektiv", das in seiner wortgewaltigen Seelenschau im Rapgame seinesgleichen sucht, sondern selbstverständlich ebenso der typische Antilopen-Unfug wie "Pizza" und "Fiasko". Wie meinte Fatoni mal zu "Pizza": Die Doofen 2017 mäßig, wobei das nur die halbe Wahrheit wäre. Koljah, den ich kurz vor der aktuell laufenden Tour zufällig in der Düsseldorfer Straßenbahn traf, erzählte mir, dass sie sich mit der Songauswahl für "Anarchie und Alltag" sehr schwer taten. Keine Sorge, bis auf den zwar guten, aber ziemlich herunterziehenden Song "Fugen im Parkett" hör ich das gesamte Album immer wieder rauf und runter. Für Jahresbestenlisten ist der Releasezeitpunkt im Januar denkbar unpassend, sagte mir der Bilker Rapper außerdem, weil sich kaum ein Redakteur mehr erinnert, dass das Ding ja tatsächlich erst in diesem Jahr rauskam. Zum Glück hat der Gazellen-Fanboy vom Schallhafen dran gedacht und platziert das Werk vor allem zusammen mit dem Punkrock-Bonusalbum Atombombe auf Deutschland auf dem Thron der Jahrescharts. Ganz wie ich in meinen Charts 2016 schon weise prophezeihte: "[...] die mit "Das Trojanische Pferd" einen starken Vorboten auf das im Januar 2017 kommende Album ANARCHIE UND ALLTAG schicken, dass, wenn mich nicht alles täuscht, bestimmt in meiner Jahresliste 2017 landen wird. Koljah, Danger, Panzer: Am Ende sagt ihr alle, ihr habt es geahnt. Wahrsager-Kräfte oder Self Fulfilling Prophecy? Egal, der Platz 1 habt ihr euch echt verdient. Frrrr!

Anspieltipp: Fiasko

2. Leoniden – s/t

Mit ihrer Single "1990" hatte ich Leoniden schon irgendwie auf dem Schirm, aber was dann als Longplayer kam, hat mich echt aus den Socken gehauen. Zwölf Songs, die deinen Körper im Rhythmus herumschleudern als würde der Boden aus Lava oder wahlweise heißer Schokobutter bestehen, ein Album, dass dich vom mächtigen Opener bis zum letzten Song mitreißt und die beste Antwort auf die Frage ist, warum man sich live Musik anschauen muss. Kiel hat mal eben Indie durchgespielt!

Anspieltipp: Two Peace Signs
Hier zu Michas Review

3. Love A - Nichts Ist Neu

Die Truppe um den Sänger mit dem wunderbaren Wörtchen und Lebensmotto Bier im Nachnamen hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Trademark-Gitarrensounds so weit zu verfeiern, dass es ein wahrer Hörgenuss ist. Lyrisch wachsen Emo-Opi Jörkk sowieso schon immer die schönsten Flausen aus dem Kopf. Unfassbar schöne Zeilen voller Schmerz und eigener Erfahrung. Alte Liebe A rostet nicht.

Anspieltipp: Verlieren
Hier zu Pauls Review

4. The Menzingers - After The Party

Die Menzingers begleiten mich nun schon so einige Jahre und das letzte Album fiel im Vergleich zum Vorgänger etwas ab. Eine Spur zu glatt und ruhig hab ich es in Erinnerung. Nun hauen sie AFTER THE PARTY raus und haben mich zurück in ihrem bitterrsüßen Midtempo-Punk-Sog gefangen. Im Nachbericht meines allerletzten Underground-Konzerts (Thnks fr the mmrs nd th br!) mit den Menzos titelte ich "Punk-Passion aus Philly" und genau das trifft es auf den Kopf. Catchy Melodien, Mitsing bzw. -brüll-Texte und perfekte Riffs, die dich in fast jeder Situation antreiben und begleiten können. Und dieser Titelsong erst.

Anspieltipp: Midwestern States

5. Casper - Lang Lebe der Tod

Caspers letztes Album ging zum Release etwas an mir vorbei, vielleicht wegen des typischen Gehypes darum oder des etwas merkwürdig theatralischen Covers. Unterschätzt die Macht eines Covers nicht! Aber das neue Werk, dass er extra auf dieses Jahr verschoben hatte, weil er selbst nicht mit dem Ergebnis zufrieden war, hatte mich dank Pressebemusterung schon vor Release so richtig am Haken. Der Perfektionismus von Grundsympathen Herrn Griffey hat sich überaus bezahlt gemacht, denn das Konzept-Album rund um den Tod geht vollständig auf und ist nicht nur überraschenderweise etwas politisch, sondern berührend wie eh und je. Stark.

Anspieltipp: Wo die wilden Maden graben

6. Captain Capa - This Is Forever

Captain Capa und ich blicken auf satte sieben Jahre Geschichte zurück, denn nachdem ich mein allererstes Interview mit Supershirt und Billo-Cam ohne Mikro führte, quatschte mich Ashi kurzerhand im Backstage an, ob ich mir für seine Band nicht auch ein paar Fragen aus den Fingern saugen mag. Also tanzte ich im Münsteraner Wohnzimmerclub Amp zu den Beats von Supershirt und tippte zwischen den Songs und ein paar Schlücken aus meiner Bierflasche eine handvoll Fragen in meinen iPod Touch. Das Ergebnis war ein viel zu dunkel gefilmtes Fragengewitter mit bollerndem Bass und langjähriges Fantum. Dank irgendwelcher Facebook-Algorithmen habe ich vom diesjährigen Album erst Monate später erfahren. Als ich es dann aber danke Ashi sebst noch in meine Finger bekam, war ich ziemlich geflashed, wie sie ihren Sound zwischen RnB und High Speed Electro inzwischen so gemeistert haben, dass ich einfach keinen Vergleich zum Sound der Band finde. Kurzum: Neben Leoniden meine zweite Überraschung des Jahres.

Anspieltipp: O O O

7. Iron Chic - You Can't Stay Here

Die Art und Weise, wie die Band aus Long Island mit dem Thema Verlust umgeht, kann man hier direkt nachhören. Denn Sänger Jason Lubrano hat während der Entstehung des Langspielers seinen Freund und ehemaligen Gitarristen Rob Mc Allister verloren. Inmitten von Wut und Hoffnungslosigkeit arbeiteten sie mit ihren großen Singalongs und starken Hymnen aktiv dagegen. Trotz aller Trauer, die sich diesmal deutlich als zuvor in ihren Texten wiederspiegelt, schaffen sie es, mit ihrem Melodic Punk Kraft zu geben und treten die Türe dabei immer so weit auf, dass sich doch noch ein wenig Licht in den Raum verirrt. Wie gemacht, um einem kleinen, verschwitzen Klub die Faust zu recken und sich die Ängste und Zweifel von der Seele zu singen. Drücken wir mir die Daumen, dass ich Iron Chic bald endlich einmal live erleben kann!

Anspieltipp: Let's. Get. Dangerous.

8. Fatoni - Im Modus

Fatoni der Wiederholungstäter. 2015 brachte er zusammen mit Beatchirurg Dexter mein Album des Jahres. Nun also das Mixtape in den Top 10, das uns den weniger verkopften, dafür umso mehr aus der Hüfte schießenden Ex-Schauspieler vorstellt. Mit seinem punktgenauen Wortwitz, dem unverkennbaren Flow, dem beinahe traditionellen Til Schweiger Diss (ob er ihm wohl die Hauptrolle des Uwe Boll Machwerks Far Cry vor der Nase wegschnappte?), den tollen Featuregästen oder seinem Storyteller-Talent: Was Anton Schneider anfasst, wird zu Rap-Gold. Selbst wenn das beinhaltet einen kompletten Song über das wortwörtliche Mutterficken zu schreiben oder einen Beat zu präsentieren, der wohl kaum mit den Genfer Menschenrechtskonventionen zu vereinen ist, nur um ebendiesen zu allem Überfluss noch "Zum Entspannen" zu taufen. Irrer Typ, irre gut.

Anspieltipp: Das ist alles Kunst (feat. Dexter)

9. The Flatliners - Inviting Light

Ich liebe diese Band und zähle Dead Language zu meinen absoluten Lieblingsalben, von daher könnte man meinen, dass es die Kanadier besonders einfach bei mir haben. Zugegeben, schlechte Songs zu schreiben fällt der Truppe schwer, was allein schon am leidenschaftlichen Gesang und den emotional wertvollen Lyrics von Chris Cresswell liegt, aber als Fan ist man bei Erscheinen eines neuen Albums ja immer kritischer als der Rest. Im Falle des aktuellen Werkes schlagen die Flatties sogar selten mal ruhigere Töne an und drosseln ihr Tempo für einen stimmungsvolleren Aufbau etwas, aber verdammt: Das steht ihnen gut.

Anspieltipp: Nicotine Lips

10. Turnover - Good Nature

Wohl DAS Kontrastalbum in meiner Jahrescharts. Der wunderbar sanfte Emo Dream Pop entführt einen aus der Schnelllebigkeit, dem Alltagsstress und den Moment, wenn die To Do Liste zu einem hohen, wackeligen Jenga-Turm mutiert. Zum Herunterfahren gab es dieses Jahr nichts besseres.

Anspieltipp: Breeze


>> Die besten Songs des Jahres 2017 <<

1. Leoniden - Nevermind
2. Antilopen Gang - ALF
3. Love A - Sonderling
4. Casper - Flackern, Flimmern
5. Captain Capa - Trondheim
6. The Menzingers - After The Party
7. Fatoni - Modus
8. Smile & Burn - Good Enough
9. Iron Chic - My Best Friend (Is A Nihilist)
10. The Flatliners - Hang My Head

>> Die besten Konzerte des Jahres 2017 <<

1. Antilopen Gang auf dem Open Source Festival 2017 auf der Galopprennbahn Düsseldorf, 08.07.2017

Die Lopis nochmal, eh klar. Das Heimspiel im am idyllischen Grafenberger Wald war so besonders, weil sie vor Energie und Bock fast explodiert sind, vor allem aber deshalb, weil sie dem Werk von NMZS mit ausgewählten Songs vor seiner anwesenden Familie wunderschön feinfühlig Tribut gezollt haben.

2. The Menzingers und The Flatliners im legendären Underground Köln (RIP), 26.04.2017

Ein durch die Bank weg mitreißender Gig mit Singalong-Garantie und gereckten Fäusten.

3. Love A im Zakk Düsseldorf, 25.05.2017

Sie haben meinen Wunsch "Sonderling" zu spielen erfüllt! Muss ich mehr sagen? Love, ey. <3

4. Enter Shikari im Zakk Düsseldorf mit ihrem kompletten Album "Take To The Skies" zum 10-jährigen Jubiläum, 08.05.2017

Was für ein Gänsehaut-Gefühl, das Album endlich live zu am Stück zu sehen mit all den großen Übergangsstücken, die alles wie aus einem Guss wirken lassen.

5. Leoniden auf dem "MAUL, Jetzt Tages Festival!" 2017 im Vier Linden Düsseldorf 15.07.2017

Obwohl zwar nicht wirklich viel vor der Bühne los war, hat die Band um ihr Leben gespielt, mit so viel Hingabe und Lebensfreude, wie man sie nur selten sieht. Beeindruckend!


 >> Die besten Videos des Jahres 2017 <<

1. Kettcar - Sommer '89

2. Antilopen Gang – Pizza

3. The Menzingers- After The Party

4. Iron Chic - My Best Friend (Is A Nihilist)

5. Love A Nichts ist Leicht

 

>> Die besten Kanäle/Formate des Jahres 2017 <<

1. Game Two
2. #MoinMoin (Rocket Beans TV)
3. iOllek
4. Walulis
5. Almost Daily (Rocket BeansTV)
6. Neue Deutsche Abendunterhaltung (Rocket Beans TV)
7. Klengan
8. Zeo
9. Ultralativ
10. Der Heider

 

>> Die besten Podcasts des Jahres 2017 <<

1. Fest & Flauschig (mit Jan Böhmermann und Olli Schulz)
2. Das Podcast Ufo (mit Florentin Will und Stefan Titze)
3. wirreden (mit Gavin Karlmeier und Call-In Gästen)
4. Radio Nukular (mit Max "Rockstah" Nachtsheim, Chris Gürnth und Dominik Hammes)
5. Gästeliste Geisterbahn (mit Donnie O’Sullivan, Nilz Bokelberg und Markus Herrmann)


>> Die besten Instagram-Stories <<

1. Leoniden
Haben das Internet zu 100% verstanden.
2. deggideckert, Bassist bei Jennifer Rostock
Meme God!
3. Antilopen Gang
Unfassbarer Unfug, aber guter!

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