„Für mich sind tote Menschen im Mittelmeer ein größeres Problem als brennende Barrikaden, viele Bürger sehen das anders“ - Im Interview mit Johnny Mauser

Geschrieben von: Administrator am .


Johnny Mauser, Pressefoto: Malte Schmidt

Der Rapper Johnny Mauser ist nicht nur Teil des Hip Hop Quartetts Neonschwarz, sondern hat vor Kurzem ein neues Solo-Album auf unserem geschätzten Label Audiolith veröffentlicht (hier zu unserer Review), auf dem er seine früher häufig plakativen Texte durch abstraktere Geschichten ersetzt und dadurch ein neues Niveau erreicht. Redakteur Paul hat mit dem Mann auf Mausmission über sein aktuelles Album, den G20-Gipfel und textliche Reifungsprozesse gesprochen.

Hallo Johnny. Ich höre jetzt schon ziemlich lange deine Musik. Mal feiere ich sie, mal tu ich mich schwer damit. Dein aktuelles Album „Mausmission“ gehört zu erstgenanntem. Worin liegt der Unterschied zwischen deinen Solosachen und Neonschwarz?

Hallo! Klar, über die Jahre habe ich nicht immer genau das Gleiche gemacht, sondern mich von härteren Solo-Sachen über Experimentellem bei Trouble Orchestra zu Neonschwarz an unterschiedlichen Projekten versucht. Neonschwarz ist dann ja ziemlich eingeschlagen und wir durften da eine Menge krasser Dinge erleben. Auf meiner neuen Solo Platte geht es wieder etwas roher zu, was bestimmt einigen mehr gefällt. Dir anscheinend ja auch, danke.

Auf deinem ersten Album „Politisch motivierte Sprachgewalt“ war vieles noch sehr plakativ. Du bist in Jugendzentren, teilweise vor gefühlt einer handvoll Menschen aufgetreten. Jetzt Stand 2017 wirken deine Texte sehr viel abstrakter, gereifter und du trittst vor großem Publikum auf. Mit Neonschwarz sogar auf großen Festivals. Wie nimmst du selbst diese Veränderung in deinen Texten wahr und was unterscheidet den Auftritt in einem JUZ von dem auf einem Festival?

Ich finde, das sind zwei verschiedene Dinge. Irgendwann hatte ich das Gefühl, viele politische Themen sehr direkt in Songs angesprochen zu haben. Da wollte ich mich nicht wiederholen. Auf der anderen Seite drängen ja die gleichen sozialen Fragen wie 2009, wenn nicht sogar noch drastischer. Als Künstler wollte ich mich da weiter entwickeln und das habe ich glaube ich auch geschafft. Neonschwarz hat mir da bestimmt auch weitergeholfen. Wir spielen auf großen Festivals Antifa-Songs, ich werde im AZ aber auch mal was Poppiges auspacken. Gips und ich haben auf jeden Fall Bock auf 'ne dreckige Club Tour!

In dem Lied „Daddy“ verwendest du meines Wissens nach zum ersten Mal Autotune. Was hat dich dazu bewegt und wo sind für dich insgesamt die größten Unterschiede zu deinem Vorgängeralbum?

Der Song „Daddy“ hatte mal eine sehr whacke Hook auf deutsch, Autotune und ein englischer Satz passten besser und sind spontan im Studio entstanden. Sonst finde ich einiges verspielter auf der neuen Platte, mit den Texten und der Technik bin ich viel zufriedener! Insgesamt 'ne gute Mischung aus Boombap-Oldschool und aktuellen Einflüssen.

Bleiben wir bei deinem aktuellen Album. Das einzige Feature ist diesmal Florentine Weihe. Wie kam der Kontakt zustande beziehungsweise woher kennst du sie? Und warum gibt es nicht weitere Features beispielsweise mit Labelfreunden wie Captain Gips?

Ich hatte einfach Bock, für mich zu schreiben, ohne Absprache, ohne Kompromisse. Mit Gips mache ich ja eh immer Sachen zusammen für die Band, das wäre jetzt auch nicht sooo spannend gewesen. Florentine kenne ich schon lange, eigentlich Schauspielerin, aber wie man hört auch gute Sängerin.

Noch eine letzte Frage zu „Mausmission“. Wofür steht KDT? Irgendeine Kellerkneipe? :D

KDT – die Frage aller Fragen. Das K steht für “Keller“, eine Kneipe ist es nicht, mehr kann ich leider nicht sagen, aber der Ort hatte ein Lied verdient, das war ich ihm schuldig.

Kommen wir zu Neonschwarz. Gibt es neue Pläne oder widmet ihr (der Captain und du) euch zunächst euren Solosachen?

Neonschwarz steht für uns an erster Stelle und wir sind immer busy Neonschwizzy. Mit Captain gehe ich jetzt auf Tour, mehr ist erstmal nicht geplant.

Apropos der Captain. Wie findest du sein neues Album?

Ist doch klar, Bombe!

Der G20 Gipfel ist inzwischen seit ein paar Monaten Geschichte. Wie hast du ihn erlebt? Insbesondere die Stunden nach deinem Auftritt, die ich persönlich als sehr bedrohlich und gewollt empfunden habe (seitens der Polizei).

Das waren schon krasse Wochen in Hamburg. Man muss sagen, dass die mediale Berichterstattung in Teilen aber vor allem die politische Hetze gegen links in Nachhinein erschreckend waren. Sicherlich sind dumme Sachen gelaufen, aber primär war es wichtig zu zeigen, dass der Kapitalismus und die Politik der einflussreichen Staaten den Menschen nichts Gutes bringen und in sich Gewalt bergen. Für mich sind tote Menschen im Mittelmeer oder hungernde Menschen im globalen Süden ein größeres Problem als brennende Barrikaden, viele Bürger sehen das anders in Deutschland…

Nach dem G20-Gipfel: Hat sich die Schanze deiner Meinung nach verändert, ist sie weiter zusammen gewachsen oder ist irgendwie alles beim Alten?

Es war ein entlarvender, unangenehmer Moment, die Anwohner am Sonntag zu sehen, wie sie ihre Bankfiliale putzen. Auf der anderen Seite gab es coole Solidaritätserklärungen von vielen Cafés und Restaurants, die auch nochmal sehr kritisch über die Polizei berichteten. Insgesamt hat sich die Lage beruhigt, für die Flora wird weiter gekämpft!

Vielen Dank für das Interview, Johnny.

(Das Interview wurde von Paul Schall geführt)

Links:
www.facebook.com/Johnnymausermusik
www.johnnymauser.com

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