Sei still, wenn du was für Deutschland fühlst: Johnny Mauser - Mausmission

Geschrieben von: Paul Schall am .

Johnny Mauser, Pressefoto: Malte Schmidt

Johnny Mauser mit seinem neuem Solo-Album MAUSMISSION (01.09.17, Audiolith).

Ich gebe zu, anfangs war ich skeptisch. Feierte ich als junger Erwachsener noch die POLITISCH MOTIVIERTE SPRACHGEWALT Platte und schaute mir Johnny Mauser beispielsweise im JUZ Mannheim an, ebbte mein Interesse relativ schnell ab. Neonschwarz war mir einfach schon immer zu hoffnungsvoll, zu positiv und so war ich unsicher, was mich bei Mausmission erwarten würde. Als ich das Album dann zum ersten Mal hörte, fiel mir zunächst der Autotune Song „Daddy“ auf. Es war, als würde ich regelrecht nach etwas suchen, was ich hinterher kritisieren wollte. Dabei ist es eigentlich doch sehr lobenswert, wenn sich ein Künstler ausprobiert und neue Wege geht. So hat sich das Ganze auch nach mehrmaligem Hören zu einem Gesamtkunstwerk entwickelt, was in sich stimmig scheint und persönliches mit politischem (ist das eine nicht abhängig vom anderen?!) vereint. Klassische Beats, Samples, Scratches und Autotune bilden dabei das Fundament.

Johnny Mauser hat seine früher häufig plakativen Texte durch abstraktere Geschichten ersetzt und dadurch ein neues Niveau erreicht. Chapeau. So erzählt er in „Mir geht es gut“ von der Resignation und dem Abstumpfen, welches durch die unzähligen furchtbaren Ereignisse, die auf dieser Welt passieren, bedient wird. Im Song rappt er „Die ersten zwanzig Zeitungsseiten treffen mich nicht, oder nicht mehr. Früher war ich anders...“. Mir persönlich spricht der Mauser in diesem Song aus der Seele. Es gibt Tage, da möchte ich am liebsten keine Nachrichten hören, keine Schlagzeilen lesen, weil ich es als Belastung empfinde und es sich zermürbend auf mein Gemüt auswirkt. Des Weiteren werden auf dem Album die Gesellschaft („Aus Bauern werden Bürger und die gründen eine Wehr, dann heißt sie ab jetzt Nazipack. Nicht weniger, nicht mehr.“) und Lohnarbeit („Montag bleibt Schontag“) angeprangert beziehungsweise kritisiert.

Das Lied „Cabriolet“ wird dieses Jahr wohl mein Wahlsong für die Bundestagswahl 2017. Die Hook „Sonne scheint im September und ich fahr in meinem Cabriolet. Mit 120 Sachen immer geradeaus, mitten in den Stand der AfD“ klingt in meinen Ohren wie Zucker. Die Review beende ich mit meiner Lieblingszeile, denn da beißt die Maus keinen Faden ab, „Deutsche auf Mallorca mit nem Sonnenbrand. Pellkartoffel“.

(Paul Schall)

Links:
www.facebook.com/Johnnymausermusik
www.johnnymauser.com

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