Am Ende des Tages sind wir alle gefickt: Love A - Nichts ist neu

Geschrieben von: Paul Schall am .


Sänger Jörkk von Love A zeigt uns die Tiefe seiner Augenringe, Pressefoto: Andreas Hornoff

Es gibt Bands, die aus unerklärlichen Gründen nie den Weg in das eigene Ohr oder in das heimische Plattenregal finden. Love A war bislang eine solche Band für mich. Die Frage nach dem „Warum?“ kann ich selbst nicht beantworten. Nun veröffentlicht ebendiese Band am 12. Mai ihren mittlerweile vierten Longplayer NICHTS IST NEU, doch für mich ist alles neu. Zumindest in Bezug auf Love A.

Das Album startet sehr druckvoll mit dem Song „Nichts ist leicht“ und erinnert mich zunächst an das Turbostaat-Lied „Wieso Herbst“. Schließt man die Augen während des Zuhörens und stellt sich „Nichts ist leicht“ als Live-Version vor, sieht man Konfettiregen, Menschen die sich mit Bierflaschen in den Armen liegen und feuchte Augen. Jörkk Mechenbier singt „Aber es ändert sich so gar nichts und es macht alles keinen Sinn“, ich bekomme Gänsehaut und bin mir plötzlich nicht mehr sicher, ob ich lieber weinen oder schreien möchte. Oder beides zugleich. Die nächsten drei Lieder („Nachbarn II“, „War klar“, „Die Anderen“) prangern alle mehr oder weniger gesellschaftliche Zustände und Entwicklungen an. Auch musikalisch erlebt das Album bei „Die Anderen“ seinen ruhigen Höhepunkt.

Danach wird es wieder wütender. So heißt es in „Unkraut“, „Weltmeister Kartoffelland“ und „Volksfest, alle Nerven blank“. Da weiß jemand, wie man Hass schreibt und die Gesellschaft anprangert ohne plakativ zu sein. Großes Kino. Bei „Treeps“ muss ich spontan an eine fiktive Figur aus einem Heinz Strunk-Roman denken. Ein Charakter, der verloren wirkt und ohne Alkohol am Leben zerbrechen würde „...denn zu vergessen, braucht es doch recht viel“. In Liedern wie „Sonderling“, „Löwenzahn“ und „Kanten“ merkt man, dass die Herren von Love A etwas von Musik verstehen. Starker Gitarrensound, viel Hall und ein Schlagzeug, das nach vorne geht, ohne zu dominieren. In „Monaco“ geht es nicht wie zuerst vermutet um das kleine Fleckchen Erde, sondern um den Kommissar „Monaco Franze – Der ewige Stenz“, dessen Motto „Ein bisserl was geht immer“ war. Auch im vorletzten Lied „Weder noch“ widmet sich die Band wieder gesellschaftlichen Klischees und Rassismen: „Ein jeder glaubt, ein jeder weiß […] dass alles wahr ist, was er denkt“. Das am Ende meistens eine Niederlage steht, zeigt das letzte Lied „Verlieren“. Auch hier geht es in meinen Augen um die Stagnation im Leben und bildet somit in Verbindung mit dem Opener einen geschlossenen Kreis, denn „am Ende des Tages sind wir alle gefickt“.

Der brandneue Longplayer von Love A ist durchzogen von einem an die 1980-er erinnernden Wave-Sound, intelligenten, aber niemals plakativen Text und einer guten Mixtur aus schnelleren und ruhigeren Stücken. Ein Album, das Spaß macht zu hören, zum Nachdenken anregt, zum Heulen melancholisch ist und so schnell nicht langweilig wird. Love A wissen mit ihrem neuen Album zu überzeugen und haben einen freien Platz in meinem Plattenregal gefüllt.

(Paul Schall) 

"Nichts ist neu" erscheint am 12.05.2017 auf Rookie Records als LP, limitierte weiße LP, Digipak CD, Download und exklusiv bei uns, via finestvinyl.de: limitierte schwarze LP + Bonus 7“! Hier Shop & Format wählen: https://LoveA.lnk.to/NichtsIstNeu

Die Love A Nichts ist Live Tour 2017:
11.05. Münster, Gleis 22
12.05. Nürnberg, Desi
13.05. Berlin, Festsaal Kreuzberg
24.05. Hamburg, Molotow
25.05. Düsseldorf, Zakk
26.05. Wiesbaden, Schlachthof Wiesbaden
27.05. Leipzig, Conne Island
Präsentiert von Intro, Visions, Ox Fanzine/livegigs.de, Noisey und ByteFM

Ticketvorverkauf:
http://bit.ly/2jU1zOZ

Links: 
www.facebook.com/makingloveathreatagain
www.love-a.de


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