Hear me roar: Leoniden - s/t

Geschrieben von: Micha Schmidt am .


Leoniden aus Kiel, Pressefoto: Robin Hinsch

Manchmal, wenn sich der innere Hipster meldet, denkt man an jene Alben die man am liebsten seinen Freunden gezeigt hätte um zu sagen: „Passt auf, die werden noch richtig groß!“. Der ewige Wunsch nach Anerkennung des eigenen Musikgeschmacks ist nun einmal eines der hervorstechendsten Merkmale der Musikbranche. Und allen die dies tun wollen, sei hier der Erstling der Leoniden ans Herz gelegt. Wer im letzten Jahr die Musik-Szene aufmerksam beobachtete, der konnte immer wieder Zeichen einer Band beobachten, die Größeres plant. Hier ein Konzert, da ein Video, schließlich ein Radio-Interview. Auch ohne Insider-Infos konnte man schnell Eins und Eins zusammenzählen: Erstes Album, LEONIDEN, selbstbetitelt. Aber was die fünf einem dann um die Ohren hauen, kommt dennoch absolut unvermutet. Mit ihrem ersten Album setzen sie nun ein klares Zeichen. Jahre voller Arbeit, langfristig gesteckter Ziele und wieder umgeworfener Pläne münden in diesem Album. Der nächste Punkt, von dem aus man wieder neu in die Ferne schauen kann, ist gesetzt. Der Löwe brüllt. Und zwar so richtig.

Ich schlage jedem, der die Platte zum ersten Mal hört, ein kleines Experiment vor: Wählt den ersten Song via Shuffle-Funktion und schreibt euch dann auf, in welchem Genre ihr die Platte verorten würdet. Dann hört die Platte in der normalen Reihenfolge. Anschließend denkt über eure Wahl nach. Leoniden ist ein Kind vieler Mütter und Väter. Emo- und Hardcore, R’n’B-Vocals, ein dominantes Schlagzeug und immer wieder der Mut zum Experiment bei den Gitarristen. Der musikalische Bruch wird bei ihnen zum Stilmittel. Man kann sich nie sicher sein, ob ihn beim nächsten Song nicht ein Funk-Solo, ein eingängiges Klavier-Intro oder ein Chor aus Frauenstimmen auf einen wartet. Und dennoch klingen die Songs in sich geschlossen, das Quintett aus Kiel driften nicht ins Ungefähre ab. Sie reihen sich in die Liste deutscher Bands ein, denen das Hybride musikalische Heimat ist. Für sie zählen nicht die Ansprüche des Genres, sondern genau das zu machen, worauf sie gerade Lust haben. Das senkt zwar die Brechbarkeit (und damit die Chancen, sich an einen Hype zu hängen und ordentlich zu verkaufen), gibt ihnen aber auch jene Authentizität, die einen auch das „nächste richtig große Ding“ locker überleben lässt. Ihr Erstling ist die süße Tüte vom Büdchen, die einem Menschen allein nicht schmecken kann und die man darum bei Freunden auf den Tisch stellt und sie mit allen teilt. Auch wenn die Leoniden sich an den klassischen Themen der Adoleszenz abarbeiten, umschiffen sie dabei die typischen Klischees. Die Jungs aus Kiel sind noch jung genug, um aufrichtig von Teenage Angst zu singen, aber schon zu erwachsen, um die nicht andauernd die Schuld bei anderen zu suchen. Immer wieder sticht das Thema Verantwortung aus der Platte heraus, man bemerkt den Wunsch etwas zu tun, zu verändern. Inmitten einer Zeit, in der wir Motivationssprüche auf E-Cards sammeln, reißen die Leoniden sie von der Wand und jagen dich nach draußen, Hauptsache es wird agiert.

Aber was soll man anderes von einer Band erwarten, deren Sänger sein bisheriges Leben aufgab, um zu seiner Band zu ziehen und sich der Musik zu widmen?! Was sich normalerweise zu nichts Weiteren als einer weiteren traurigen „So-habe-ich-mein-Leben-verschwendet“-Anekdote an der Theke entwickelt, verspricht hier echt Großes zu werden. Als lernt das doppelte Peace-Zeichen und erzählt euren Freunden beim Kioskbier von dieser heißen neuen Band, die ihr kennt...Ihr werdet es nicht bereuen. Die Löwen haben gebrüllt – und das Echo wird nicht lange auf sich warten lassen.

(Micha Schmidt)

Links:
www.leonidenmusik.de
www.facebook.com/leonidenleoniden

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