Immer weiter nach vorne - Smile & Burn: Get Better Get Worse

Geschrieben von: Michael Schmidt am .


Smile & Burn, Pressefoto: Max Threlfall

So dreckig 2016 im Politischen war, so gut war es doch, was den Output an guten Alben anging. 2017 arbeitet zwar mit voller Energie daran, politisch zur Vollkatastrophe zu werden, aber musikalisch ist vom Geiste 2016 noch nicht viel zu spüren. Wäre da nicht (neben dem ausgezeichneten Album der Antilopen Gang) Smile & Burn, die sich anschicken die Messlatte für 2017 nach oben zu verschieben.

Mit ihrem mittlerweile vierten Studio-Album GET BETTER GET WORSE geht die Band ihren Weg der kleinen Schritte konsequent weiter. Jeder Erfolg ist hart erarbeitet, sei es jetzt die Tour durch Japan und England, die Tour als Vorband der Donots oder jede Handvoll Leute mehr auf jeder eignen ihren innerdeutschen Touren. Dass man dabei die Qualität hält oder sich sogar verbessert, grenzt an ein kleines Wunder. Was man auch immer von den Berliner Jungs hält, Fleiß wird man ihnen nicht absprechen können. So stand auch die Authentizität bei GET BETTER GET WORSE im Vordergrund. Wie Booker Alex Merkes es ausdrückte: „Ihr seid nicht perfekt auf der Bühne, aber ihr tretet einfach derbe durch den Tisch.“ Dass man dennoch nicht den Fehler beging, einfach ein Live Set im Studio aufzunehmen, ist sicher auf die Erfahrung der Band sowie ihres Produzenten Philipp Koch zurückzuführen.

Das Ergebnis klingt oftmals nach dem Skate-Punk der Nullerjahre, aber Freunde von Bands wie Hot Water Music werden an dieser Platte ihre Freude haben. Der Sound der Platte ist rau und dreckig, kleinere Fehler wurden nicht künstlich ausgebügelt, was sich bei Smile & Burn als Glücksfall erweist. Denn so blieb viel von der Energie der Band erhalten und der Druck, der aus den Texten spricht, transportiert sich über die Musik. Thematisch bleibt man auf der dunklen Seite des Alltäglichen: Depression, die kleinen und großen Beziehungslügen, ohne die man schon wieder alleine wäre und die Sinnlosigkeit der Arbeitswelt, Smile & Burn sind schon zu lange im Business, um ihre Themen aus der x-ten Wiederholung einer Teenager-Befindlichkeit zu ziehen. Wut weicht der Erkenntnis, dass es immer irgendwie weitergehen muss. Doch von Stagnation und Resignation keine Spur. Smile & Burn treiben nach vorne, hinterfragen und fordern immer wieder auf weiterzumachen. Aus dem Kontrast von Unsicherheit und dem Willen, etwas zu verändern, erwächst gerade die Stärke von GET BETTER GET WORSE.

Dass man sich dabei poppigen und bühnentauglichen Momenten nicht verschließt, macht die Platte trotz ihrer Schwere gut hörbar. Vielleicht liegt hier aber auch ihr Nachteil. Auch wenn die Texte der Platte in den Winter passt, ist sie vom Gesamteindruck her doch zu schade, um nur durch Kopfhörer, eingepackt in dicken Kapuzen, gehört zu werden. Ein Album, das im Stillen auf dem Plattenteller rotiert und das man alleine für sich hütet, ist sie sicher nicht. Die Platte verlangt nach einem Skatepark oder einer Wiese, mit T-Shirts im Freien sitzen oder eben Smile & Burn auf einem Festival sehen. So ist denn auch das Datum ihrer frühen Veröffentlichung das große Manko von GET BETTER GET WORSE. Aber wenn dies das Schlechteste ist, was man von einer Platte sagen kann, jammert man auf jenem hohen Niveau, an dem sich GET BETTER GET WORSE orientiert.

(Michael Schmidt)

Links:
www.smileandburn.com
ORDER Bundles, LP, CD, digital: http://files.smileandburn.com/landing

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