Kleines Reh, ganz tot. Bambi Slaughter - S/T

Geschrieben von: Administrator am .

bambi-slaughter-super-trockenReh auf dem Dach, statt Pferd auf [sic!] dem Flur: Bambi Slaughter.

"Kaputt, dreckig, wütend..."

Das Gefühl, Bambi und Feline auf ihrer Flucht vor den Schlächtern und ihren Hunden nicht behilflich sein zu können, kleidet ein ungestümer Vierer aus Berlin in grungig-treibende Krachkonglomerate.

"Der Himmel bevor es regnet, die Luft bevor es kracht." Derart poetisch beweihräuchern sich Bambi Slaughter voll des zärtlichen Narzissmus selbst, es geht einem das Herz über. Und es ist nicht einmal gelogen: Die Luft, die bei einer Reihe Clubgigs der Barden bereits zum Schneiden einlud, die wohltemperierten Saitenschwingungen der Bambi Slaughter-Gitarristen Max und Matthias legten sich wie ein sanft überdimensionierter Eierschneider auf sie, lullten sie ein, umhüllten überraschte Schaulustige mit Schallwellen Seattle'scher Prägung.

Die vor kurzem erschienene EP jedoch zeichnet ein etwas anderes Bild. Wütend und laut, ja, so klingt sie, die selbstbetitelte EP. Dreckig und kaputt muss man sich im Berlin-Mitte-Sinn denken. Schick produziert, ist der Dreck nur Marmeladenfleckchen, "Kaputt" ist Styleversprechen. Wie Vollbart, Klapprad, Veganwurst, Stricken.

Nun. Zwischen Garage und Street liegt – genau  eine oft liebevoll gehegte Ausfahrt, meist ein wenig zum Geteerten hin geneigt, den Beginn einer Ausfahrt erleichternd. Diesen Job erledigt für die Bambi-Schlachtung der Opener "Ammonia" (chem. NH3, Grundstoff der meisten bekannten Düngemittel und Bestandteil der Pisse). Credibel, immerhin.

Und, hey, was dann abgeht, ist ein ganz konkreter Joyride. Unterwegs verneigen sich Bambi Slaughter deutlich hörbar vor den Größen einer vergangenen Epoche. Antizyklisch, sagt der Ökonom, lebt es sich angenehm. Vielleicht tun Bambi Slaughter Recht, und es ist an der Zeit, die Kindheitshelden der heutigen Thirtysomethings zu exhumieren. Das Zeitfenster ist klein, zwischen Whitesnake und Haddaway lugten nur ganz kurz Hole, Silverchair, Alice in Chains hervor und natürlich die in der Szene leidlich bekannten Nirvana, deren Kopf Cobain seinen selbigen zum Statement gegen Presserummel herunterschoss.

Mit dem sensiblen Resthirn wurde eine Jugendbewegung begraben, der "Null Bock", Drogenaffinität, mangelnder Ehrgeiz und laxe Körperhygiene attestiert wurde. Klingelt da was? Buschkowsky, ick hör dir trapsen - Neukölln ist tatsächlich überall! Ob Herr Cobain ein Waldmensch war, sich mit Pilzen und Moosbewuchs auskannte, und das Beil zu führen wusste? Wahrscheinlich ist es nicht. Doch die Axt (die Fender Stratoaxt, nicht die, die bestenfalls niedrigverzinst immobil gelagert den Zimmermann ersetzt) schwang er leidlich vor seinem in Flanell gehüllten Wanst und beeindruckte damit nicht nur die Kürbistruppe des glatzköpfigen Ekelpakets Wilhelm Corgan, sondern Scharen gottloser, von geiler Sünde verführter Jungspunde aller verfügbaren Geschlechter.

Offenbar auch Bambi Slaughter, die nach sperrigem und inspirationsarmem, nichtsdestotrotz stickstoffhaltigem Einstand einen Regen aus klangtechnischem Feuer und Schwefel auf das geneigte Publikum aller Sodoms der Neuzeit prasseln lassen, dass man Lust bekommt Tony Hawks Pro Skater zu spielen. Wegen des Soundtracks. Zwischen Lagwagon, Millencolin und Bad Religion (haha) fügen sich Bambi Slaughter nahtlos ein, man will hopsen und springen, tanzen und singen. Kuckuck, Kuckuck rufts aus dem Wald, aus dem es, wie man weiß, immer genauso ruft, wie man hineinschreit. Womit wir wieder beim ikonischen Disney-Damwild wären. Runde Sache, dieser Kreis, der sich schließt. Und auch die selbstbetitelte Scheibe von Bambi Slaughter.

- Matze Nowak 

 

Web:
www.bambi-slaughter.bandcamp.com

Live:
www.facebook.com/events/581125132075566

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