Alles bleibt besser: Captain Planet - Ein Ende

Geschrieben von: Micha Schmidt am .


Fünf Freunde sollt ihr sein, Captain Planet aus Hamburg, Pressefoto: Christian Bendel, www.christianbendel.com

Vorab eine kleine Randepisode. Als ich das erste Video aus dem neuen Album sah, kam ich begeistert zu einem Freund, ebenfalls Fan der Band der ersten Stunde. Seine Reaktion fiel recht nüchtern aus: „Sieht aus wie das Video davor.“, woraufhin meinte Reaktion dann lautete: „Ja, aber das tut es soviel besser.“ Und dieser kleinen Geschichte aus dem Reich des Feierabendbieres ist im Kern alles gesagt, was zu EIN ENDE gesagt werden muss.

Captain Planet stehen schon immer für Neuland, selbst beim zwanzigsten Hören. Die Jungs waren immer offen für neue Themen und auf eine vertraute Weise unberechenbar. Das schon kaum noch klebende Etikett des unverkennbaren Sounds, bei keiner anderen Band hält er so gut wie bei den Hamburgern. Captain Planet sind in dem, was sie machen von der ersten Scheibe an groß gewesen. Die technischen Unterschiede zwischen ihren Alben sind für meine Ohren so minimal, dass sie kaum auffallen. Wo man anderen Bands beim Durchhören ihrer Werke dabei folgte, wie sie merklich besser wurden, stellte sich dieses Gefühl bei Captain Planet nie ein. Sie sind wie gewohnt mitreißend. Gleichzeitig Garanten für die viel zu ruhigen und die überdrehten Stunden. Wer sich dabei ertappt, wie er auf einem unsichtbaren Schlagzeug spielt, wessen Atem tiefer geht kurz bevor der Refrain beginnt oder wem befremdliche Blicke in der U-Bahn gelten, weil man mit viel zu hoher Stimme Bruchstücke der Texte mitgesungen hat, weiß um die Wirkung von Captain Planet.

Textlich bleiben Captain Planet ihrem Markenzeichen, dem Schwanken zwischen Konkreten und Ungefähren, treu. An manchen Stellen sind sie so verbindlich, dass man die Songszenarien vor den Augen sieht („Und du in deiner Winterkluft/ Die Scheiben neben dir beschlagen/ Ein Knopf schreit Lieder in dein Ohr“ - „Fenster im Fenster“). An anderen wird man regelmäßig zurückspulen beim Versuch das Gehörte zu fassen („Und such nach einem Satz, um meine Trauer zu bekunden/ Du suchst nach einem Knopf, um dieses Treppenhaus zu fluten.“ - „St. Peter“).

Unwillkürlich hat man das Gefühl, als würde die Band Themen einkreisen. Jede weiteren Ziele, jeder Song, jedes Album liefert ein neues, wichtiges Puzzlestück zu einem Bild, an dessen Fertigstellung niemand mehr glaubt. Ihr Weg, die Texte bewusst offen zu halten, wird dabei konsequent weitergegangen. Ob es sich bei „Kreisel“ um einen Song über eine verflossene Liebe oder ein Antasten an das Thema Demenz (oder vielleicht etwas komplett anderes) handelt, wird sich nicht entscheiden lassen. Und ja, wahrscheinlich werde ich in einigen Jahren denken, dass ich einen klaren Zugang zur Aussage des Songs gefunden habe. Ob dieser dann soviel richtiger sein wird, steht aber jetzt schon offen.

Captain Planet sind längst Bannerträger in diesem nicht zu fassenden Genre namens Angry Pop, dessen Existenz in Deutschland davon abhängt, ob Punk nun doch wieder lebt, schon tot ist oder nie tot war. Freunde des Experiments und der Überraschung werden am neuen Album sicher keine große Freude finden. Vieles wirkt zu bekannt. Diejenigen aber, für die Veränderung kein Selbstzweck ist, finden in EIN ENDE eines der bis hierin klarsten und schönsten Alben des Jahres vor sich, konsequent und immer wieder fordernd.

(Micha Schmidt)

Das neue Captain Planet Album trägt den Titel EIN ENDE und erscheint am 06.05.2016.
Jetzt als limitierte Deluxe-LP (inkl. Live-CD, Bonus 7″ und exkl. Poster), limitierte col-LP, Standard LP, CD oder DIG vorbestellen über captain-pla.net

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