Schallhafen Premiere: Goodbye Fairground zeigen neues Video zum Song "Wilhelm II"

Geschrieben von: Marc Braun am .


Goodbye Fairground, Pressefoto: Fabian Hoffmann

They've come a long way. Die nicht ganz unzufällige Anlehnung an die ähnlich betitelte EP der Trümmerpunks aus dem Jahre 2012 macht musikalisch vor allem eines deutlich: Die Truppe aus Münster, Düsseldorf und Köln hat über die vielen Jahre einen ziemlich großen Sprung nach vorne gemacht und ihren verboten melodieverliebten Stil nicht nur gefunden, sondern ständig weiter ausmodelliert und verfeinert. Kein Wunder, ist die Band um Sänger Benjamin Bruns doch schon seit mittlerweile elf Jahren (!) aktiv und hat erst letztes Jahr erst ihr zweites Album I DON'T BELONG HERE ANYMORE veröffentlicht. Nach zwei Vorabsingles zeigt das Quintett heute das Video zur Single „Wilhelm II“ - exklusiv beim Schallhafen.

Das Video zeigt die Band in ihrem besten Element: Konzerte zocken! Denn die Live-Aufnahme erweckt beim geneigten Midtempo-Punk den spontanen Wunsch, selber mit einem kühlem Fläschchen Bier in der Hand und einer in die Luft gereckten Faust direkt inmitten des Geschehens zu sein und die Gangshouts bis zur Heiserkeit aus vollster Seele mitzubrüllen. Schuld daran ist nicht nur das simultan wallende Haar der drei Saitenartisten, sondern vor allem die raue, markante Stimmfarbe von Sänger Benjamin in Kombination mit den sich in den Gehörgang fräsenden, catchy Riffs, den eben erwähnten Shouts und dem stimmungsvollen Changieren zwischen ruhigen und bissigen Elementen. Während der Song auf musikalischer Seite vor allem energiegeladen daherkommt, singt Benjamin als traurige Konklusion im englischen Refrain: Nichts vereint uns schneller als eine Beerdigung. Eine wahre Zeile, die mich zum Nachdenken gebracht hat und die ich auf metaphorischer sowie wörtlicher Ebene unterstreiche. Denn erst, wenn einen ein Ableben oder sonstiges tragisches Ereignis wachrüttelt, kommt man schlagartig zur Besinnung und lässt seinen viel zu wichtig genommenen Alltag mal beiseite, um die Menschen zu treffen, mit denen man eine gemeinsame Geschichte teilt – seien es nun selten besuchte Familienmitglieder oder alte Freunde und Weggefährten.

Ich habe Sänger Benjamin daraufhin zum Hintergrund des Textes befragt. Er antwortet mir: „Ich habe den Text zu Wilhelm II geschrieben, als ich wegen der Arbeit quasi für eine Woche alleine in einem Hotelzimmer in Lourdes saß. Lourdes ist ein kleines Pilgerstädtchen in Frankreich und da gab es im Prinzip nur mich, meine Kollegen und einen Haufen katholische Pilger. Ich hatte also viel zuviel Zeit über mich und mein Leben nachzudenken und dann waren wir zu allem Überfluss auch noch in einem Duty-Free-Shop an der Grenze zu Spanien, wo es Scotch für sehr wenig Geld gab… Jedenfalls ist dort der Text entstanden, der von mir, meinen Entscheidungen, die mich an diesen Ort gebracht haben und den vielen Menschen, die mir mal viel bedeutet haben (im Guten wie im Schlechten) und zu denen ich keinen Kontakt mehr habe, handelt und überhaupt nicht vom letzten deutschen Kaiser. Der Name war einfach nur ein Arbeitstitel ohne großen Sinn. Wir haben den Song dann geschrieben und zuerst auf unserer Tour mit Rowan Oak gespielt. Da hat sich der Titel dann festgesetzt und ist dann eben so geblieben. Goodbye Fairground halt.“

Der Weg bis zum aktuellen Album gestaltete sich übrigens äußerst steinig. Denn was ursprünglich mal als Sextett begann, musste einige Besetzungswechsel verkraften, die ja beinahe immer am Gesamtbild einer Band und meist ebenfalls an ihrem Sound, für die man sie bislang geschätzt hat, nagen. Gerade wenn es sich um ein so fantastisches Konzeptalbum handelt, wie es das Debüt I STARTED WITH THE BEST INTENTIONS war und natürlich immer noch ist. Der Weggang von drei der sechs Mitglieder führte dazu, dass ein paar Jahre ins Land zogen, bis man mit den Neuzugängen Simon Bäumer (Gitarre) von The Dimensions und Stefan Langener (Drums) von Idle Class den Weg über Proberaumsessions bis hin zur fertigen, wieder einmal äußerst stilsicher gestaltelteten Vinylplatte geschafft hat. Während andere Bands an solchen unsteten Besetzungen zerbrechen,weil man es mit steigenden Alter immer seltener hinkriegt, die verschiendenen Taktungen des Lebens in Einklang zu bringen (die meisten werden wie ich die große 30 kürzlich erreicht haben), traten Goodbye Fairground die Flucht nach vorne an und den Schritt gewagt, mit den neuen Mitgliedern folgerichtig neu anzufangen. Sie starteten also mit den besten Absichten (...schon wieder eine Anspielung auf einen ihrer Plattentitel, es ist jedoch nur meine gewagte Interpretation, dass der Titel zur Situation mit der aktuellen Besetzung so gut passt, Anm. d. Autors), gingen daran eben nicht zugrunde und das Album beweist eindrucksvoll, dass es die beste Entscheidung war, die die drei Ursprungsmitglieder hätten treffen können. Ein Befreiungsschlag, der sich gelohnt hat und dem Album wirklich gut zu Gesicht steht. Während es mir die Trümmerpunks mit dem Erstling und seiner unmissverständlichen Eingängikeit sehr einfach gemacht haben, sie lieben zu lernen, hat es bei I DON'T BELONG HERE ANYMORE etwas länger gedauert, bis es 'Klick' gemacht hat. Dafür war die Wirkung bei mir dann umso intesinver und besonders die Singleauskopplungen sind es auch, die bei mir für Gänsehaut sorgen und mich daran erinnern, dass ich die Jungs unbedingt mal wieder in einem Club sehen muss. Kühles Bierchen selbstverständlich inklusive. Ein großer Zufall, dass das Quintett diese Woche auf Mini-Tour geht:

Goodbye Fairground auf Tour:
24.5. Darmstadt, Oettinger Villa # 
25.5. Landau, Fatal # 
26.5. Trier, Lucky’s Luke #$ 
27.5. Köln, Limes 
$ # mit The Deadnotes $ mit Blankets

Nun also Vorhang auf für Wilhelm II von Goodbye Fairground:

Wenn ihr jetzt Bock auf das Album bekommen habt: Das kriegt ihr hier:
www.bit.ly/2ccHRh9
- Goodbye Fairground LP (Gatefoldcover)
www.bit.ly/2c9nAGm- Goodbye Fairground CD (Gatefoldcover)

Tracklist von I Don't Belong Here Anymore:
01. "The Egyptian Plover"
02. "Wilhelm II"
03. "Leaving The Green House"
04. "Victims Of The Third World War"
05. "Don't Waste Your Time On Me"
06. "Rational Dreams"
07. "Rocinante"
08. "I Don’t Belong Here Anymore"
09. "MacGuffin"
10. "Death Of A Contortionist"
11. "Fruit Flies"

Lyrics Wilhelm II
I'm "The Bear Who Let It Alone“.
I'm a pilgrim drinking holy water inside his hotel room
and when I look out of these windows I can't find the beauty anymore.
I just miss home.
You're a nun with lipstick teeth.
You're Belle Starr in a petticoat with flowers in your hair.
"Time only waits for those who suffer", that's a funny thing to say.
I bet we all agree. Looks like the only thing that has ever satisfied me lies buried in the basements of another nameless town.
Take me back!
Former friends dying in offices and cars on their way to work
and I just hope that they died happily. It goes to show
that nothing reunites us quicker than a funeral.
We are knights on dead horses
both trying to hammer down another screw until the damn board breaks.
We fall asleep to the TV on mute, catching shadows all night long and carry on.
Former enemies turned out to be a bunch of really nice people neither worse nor better than the ones I once kept close.
It goes to show that“

Links:
www.facebook.com/goodbyefairground
www.goodbyefairground.com
goodbyefairground.bandcamp.com/album/i-don-t-belong-here-anymore

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