„Unpolitisch ist und bleibt scheisse!“ - Im Interview mit Bike Age

Geschrieben von: Administrator am .


Bike Age aus Stuyork (besser bekannt als Stuttgart), Foto: XembraceX Photozine

Im Frühling 2017 haben die Stuttgarter Bike Age ihre erste EP veröffentlicht. Sie trägt den fast plump daherkommenden Namen „Beer is my cup of tea“. Doch auch wenn der Titel des Debüts es nicht vermuten lässt, präsentiert die Band um Sänger Dave (Daytodaze, Collide and Discord) feinen Skate-Punk mit teils tiefsinnigen Themen, die natürlich nicht neu sind, aber zumindest mich berühren, was auch meiner inzwischen langjährigen Bekanntschaft mit Dave geschuldet sein kann. Bonzo, der Gitarrist, war so freundlich und hat mir einige Fragen beantwortet.

Hey. Bike Age gibt es jetzt noch nicht so lange. Vielleicht stellt ihr euch einmal kurz vor. In welchen Bands habt ihr in der Vergangenheit schon mitgewirkt oder tut es parallel? Worauf ist der Bandname zurückzuführen?

Hi, vorab vielen Dank für dein Interesse, uns als Band näher kennenzulernen. Bike Age besteht aus Kai, Marc, Dave und Bonzo. Da wir alle schon früh angefangen haben Mukke selbst zu machen, anstatt diese nur zu hören, haben wir bis heute schon einige Bands durchlaufen. DaytoDaze, Collide&Discord (die ja schon genannt wurden), Obtrusive, Blackout, Pessimistic Lines, Chaos is Me, Come Closer, Empowerment etc. Wir hatten bei der Findung des Bandnamens einen relativ langen Prozess zu durchlaufen. Es gab einige Namen zur Auswahl, die einen guten Klang hatten, aber null Bedeutung und einige mit Message und einem scheiß Klang. Zwickmühle. Bike Age war einer dieser Vorschläge, der sich letztendlich auch durchgesetzt hat. Ein Descendents Song von 1982. Da war ich gerade ein Jahr alt. Mit 14/15 etwa hab ich diesen Song das erste Mal gehört und gleich abgefeiert. Allerdings nehmen wir bei der Auswahl des Namens keinen direkten Bezug auf den Inhalt des Textes, der in erster Linie Prostitution und den Konsum von Drogen aufgrund emotionaler Instabilität beschreibt: „...and when you're on the streets with a needle in your arm selling your body for another fix...“

Wir als Band verstehen unter dem Bandnamen eher eine Konfrontation mit der damaligen Zeit, als wir noch Kids und in unserem Denken und Tun freier waren oder uns zumindest freier fühlten und der heutigen Zeit, in der wir uns als „Erwachsene“ und teilweise „angepasste“ Menschen mit alltäglichen Herausforderungen auseinanderzusetzen haben. Es ist zudem ein Versuch dieses kindliche Gefühl des Freiseins nicht zu verlieren und gleichermaßen auf die Gegenwart zu übertragen.

Ihr lebt alle in Stuttgart oder Umgebung. Wie würdet ihr die Punkrock/ Hardcore Szene in der sogenannten „Spießerstadt“ beschreiben?

Ich selbst komme gebürtig aus Hessen, lebe aber nun seit 11 Jahren hier und fühle mich auch wohl. Hat für mich primär damit zu tun, dass ich in den letzten Jahren unglaublich viele besondere Menschen in dieser Stadt und der nahen Umgebung kennenlernen durfte. Dies möchte ich persönlich nicht missen und ich gehe davon aus, dass es Kai, Marc und Dave nicht anders geht. Home is where your friends are!

Stuttgart Stuttgart Spießerstadt, ach wie hab ich Stuttgart satt.“ WTZ hat es schon vor Jahren auf den Punkt gebracht. Diese Stadt hat etwas Spießiges an sich, das ist wohl kaum zu leugnen. Dies merkt Frau/ Mann schnell, wenn Sie/ Er die Königstraße entlangläuft. Wir als Band und Menschen, die in dieser Stadt leben, können allerdings auch mit Nachdruck bestätigen, dass es sehr inspirierende Subkulturen sowie auch freie Räume gibt, um die eigene Kreativität und Vielfalt zu leben und auszudrücken. Ich würde mich daher nicht ausschließlich auf die Punk/ Hardcore Szene beziehen. Es gibt viele gute Bands diverser Genres in Stuttgart, eine große Skate-, Tattoo- und Künstlerszene, Rockabilly geht wohl auch ganz gut und das Angebot an Vegan/ Vegetarischen Restaurants/ Imbissen nimmt zu. Diese Stadt hat eine unglaublich große Vielfalt zu bieten, wenn es denn auch allseits angenommen wird. Es ist allerdings schade, dass es nicht sonderlich viel kleine Locations gibt, um Shows zu veranstalten. Da war früher mehr los. Aber das Goldmarks, Juha West, Kap Tormentoso, um einmal drei kleinere Läden zu nennen, halten bis dato die Fahne hoch. Ich möchte allerdings noch kurz die eine oder andere Band aus Stuttgart namentlich anführen, weil die uns in ihren Interviews auch hin und wieder erwähnen, hahahaha.

  1. Sollten angehört und angesehen werden: Hell&Back

  2. Vor denen sollte das Bier versteckt werden: Helmut Cool

  3. Jogginghose nicht vergessen: Minus Youth

  4. Schnell lange Haare wachsen lassen, die lösen sich bald auf: No End In Sight

  5. Dunkel und neblig: Boden

  6. Schwarzes T-Shirt ist Pflicht: Younger Us

  7. Konzept erstellt? : Start A Fire

  8. Schnelle, nein Moment, ganz schnelle Songs: Wolfenstein

Euer Debütalbum trägt den kreativen Namen Beer is my cup of tea. :) Erzählt doch mal was auf dem Tonträger zu hören ist. Womit beschäftigt ihr euch in den einzelnen Liedern?

Hahaha, ist ja sehr nett von dir, dass du den Titel unseres Demos als kreativ beschreibst. Haben schon so einiges über den Titel gehört von „Is' ja geil, ich kauf gleich nen Shirt“ bis „Oh Mann, was is das denn für ein beschissener Titel, euer Ernst?“ Wir haben fünf Songs auf dem Demo. Das reicht auch völlig aus, um mal rein zuhören und sich ein Bild von der Mukke zu machen. Geht glaube ich 12 Minuten. Ordentliche Punk-Platte, würde ich sagen. Inhaltlich geht es in den Songs und auch in all unseren anderen Songs ausschließlich um Bier. Hahahaha nein, nicht ausschließlich. Wir setzen uns textlich mit alltäglichen Gegebenheiten und Geschehnissen auseinander, die uns direkt oder auch indirekt betreffen. Beispiel Arbeit, Friends & Family, zwischenmenschliche Beziehungen, Politik, Tierrechte, Ausgrenzung etc. Nur weil ich als Individuum nicht persönlich von einem bestimmten Umstand betroffen bin, geht es mich nichts an? Sehen wir nicht so! Unpolitisch ist und bleibt scheisse!

Allerdings sind wir auch eine Punk-Band. Von daher kann es gut sein, dass die Inhalte unserer Texte nicht immer das höchste literarische Niveau haben. Trotzdem versuchen wir nicht komplett in Sinnlosigkeit abzudriften mit Texten wie: „Bier Bier Bier, ich hab jetzt Bock auf Bier“ oder „Warum ist denn das Bier schon wieder alle?“ oder „Es ist Freitag, jetzt hab ich Bock auf Bier!“. Also wenn ich recht überlege, wäre das eigentlich auch ne witzige Sache, so eine reine Bierband! Hahahaha. Die könnte den Namen „Bieronaut“ oder „Freibier“ oder „Bieroglyphen“ oder „Bier und Da“ heißen. Schluss! Genug von dem Wahnsinn. Die Texte lassen auch bisweilen Raum für Interpretation, was ich persönlich besonders wichtig finde, um mir meine eigene Bedeutung aus einem Text zu ziehen.

Wie lief der Prozess beim Schreiben der Songs ab?

Naja, das ist relativ einfach gestrickt bei uns. Eine Person bringt ein Riff oder direkt einen fertigen Song mit zur Probe und dann machen wir ewig dran rum, bis der Song fertig ist. Also ewig auch nicht, sonst müssten wir klingen wie Metallica oder Slayer. Also sagen wir mal, wir verändern den Song, bis dieser für uns cool klingt und alle damit einverstanden sind. Ist immer eine Entscheidung im Kollektiv. Das dauert dann in etwa 10-15 Minuten. Hahahaha. Ich sag mal so, manchmal geht es schnell und manchmal dauert es eeeeewig!

Habt ihr das Gefühl euren Musikstil schon gefunden zu haben oder ist eine Weiterentwicklung für alle durchaus vorstellbar?

Eine Weiterentwicklung ist immer und überall möglich. In jedem Bereich des Lebens. Was die musikalische Weiterentwicklung anbelangt, würde ich unheimlich gern mal nen bisschen Reggae einfließen lassen. Und nein, ich kiffe nicht! Hahaha. Ansonsten haben wir einfach Bock Mukke zu machen und falls sich in irgendeiner Art und Weise dadurch der Stil der Musik ändert und alle damit gut umgehen können, dann ist das natürlich vorstellbar. Melodisch sollte es allerdings schon bleiben.

Was sind eure derzeitigen Lieblingsbands? Hatten diese auch Einfluss auf die EP? Wenn nein, was sind die Einflüsse? Und sagt bitte nicht NOFX. Das höre ich selbst! :)

NOFX! Hehehehe, das war ja ne Steilvorlage. Im Moment höre ich wieder viel No Trigger (Dave auch), Higley (neue Band von Descendents-Leuten und dem River City High Sänger) und Not On Tour (die gefallen mir persönlich live sehr gut und auf Platte auch) aber auch Hardcore (TUI haben 'ne neue Platte draußen-bin gespannt, ob die an das Demo rankommt, hehehe) und Metal. Natürlich gibt es auch All Time Favourites wie NOFX, Bad Religion, Lagwagon, Pennywise, NUFAN, Strike Anywhere, Propagandhi etc., die wir alle als Kids beim Skateboard fahren schon geil fanden und natürlich immer noch hören und mitsingen und covern und dazu einschlafen und aufwachen. Bewusst und unbewusst haben diese Bands immer Einfluss auf das Songwriting. Auch wenn es einmal vorkommt, dass ich denke, ich habe nun endlich den ultimativen 90er Punk-Song geschrieben, ohne dabei irgendwo irgendetwas bei einer anderen Band geklaut zu haben, dann höre ich spätestens 1-2 Monate später mal wieder eine Platte oben genannter Bands an und finde plötzlich das Riff oder die Gesangsline wieder. Puh, ist halt nicht möglich, da irgendetwas neu zu erfinden, außer es wäre ne Art Punk-Ska-Electro-Metal-Rock-Grunge-Rap und HipHop-Beatdown-Techno-Rythm´n´Blues-Jazz Projekt. Geile Idee eigentlich. Klau mir die Idee bloß nicht.

Und selbst, wenn etwas „geklaut“ ist oder sehr ähnlich klingt, sind wir uns als Band einig, dass es eher daran liegt, dass wir diese Art von Musik lieben und wir solche Bands in ihrem Songwriting honorieren möchten. Fat Mike würde sicherlich sagen:“Just another shitty band who stole our music!“ Und er hätte verdammt Recht!

Wie geht es weiter mit Bike Age? Gibt es schon Pläne, wie es mit der Band weitergehen soll?

Wir spielen dieses Jahr noch einige Shows in Deutschland und der Schweiz und würden sehr gern nächstes Jahr auf kleinen DIY-Festivals spielen, wenn das hinhauen sollte wie bspw. das Booze Cruise in Hamburg oder das Obenuse Fest in Zürich. Sehr coole Leute und eine super Atmosphäre. Ansonsten viel spielen und noch ein paar Songs aufnehmen. Das Übliche halt!

Vielen Dank für das Interview, Bonzo!

Wir möchten dir Danke sagen, dass du uns das Vertrauen entgegen bringst, deine Fragen zu beantworten und diese womöglich auch noch irgendwo abzudrucken und zu veröffentlichen. Vielen Dank dafür!!!

(Das Interview wurde von Paul Schall geführt)

Links:
https://bikeageband.bandcamp.com
www.facebook.com/BikeAgeBand

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