Die großen Fragen des Lebens: So war die Sven Regener Lesung am 08.11.2017 in Düsseldorf

Geschrieben von: Paul Schall am .

Sven Regener liest aus seinem neuen Roman "Wiener Straße" im Düsseldorfer zakk, Foto: Paul Schall

Ein paar Minuten vor 20 Uhr betritt Sven Regener unter Applaus die Bühne des ausverkauften zakk Düsseldorf. Pausen werde es keine geben, verkündet der Autor, stattdessen werde er 90 Minuten durchgängig lesen. Damit ließe sich verhindern, dass einige Zuschauer in der Pause die Flucht ergreifen. Soziale Kontrolle nennt das Regener. Weiter teilt der gebürtige Bremer mit, dass nach der Lesung noch die Möglichkeit bestehe, sich Bücher signieren zu lassen. Auch er werde daran teilnehmen. Das Publikum lacht zum ersten, aber nicht zum letzten Mal an diesem Abend. Und dann beginnt auch schon die Lesung. Sven Regener liest mit seiner charismatischen Stimme gepaart mit norddeutschem Akzent aus seinem aktuellen Roman „Wiener Straße“. Er liest so schnell, dass ich mich zwischenzeitlich frage, wann der Autor eigentlich Luft holt. Ich selbst kann der Ohne-Punkt-und-Komma-Lesung gut folgen, da ich den Roman gelesen habe. Meine Begleitung tut sich da schwerer.

Um was geht es also in Wiener Straße? Das inzwischen fünfte Buch, das sich mal mehr und mal weniger um das Leben Frank Lehmanns kümmert, beschreibt einige Tage des Mikrokosmos Wiener Straße im Berliner Stadtteil Kreuzberg in den 1980er Jahren. Da wären die Künstler Karl Schmidt und H.R. Ledigt und ihre „Neue Neue Nationalgalerie“, Erwin Kächele, der Betreiber des Café Einfalls, der einen ganzen Tag einen Schwangerschaftsbauchgurt mit sich herumtragen muss. Chrissie, die neu in Berlin ist und dringend einen Job bei ihrem Onkel Erwin sucht und findet. Ihre Mutter Kerstin, die sich zunächst mit einem Grenzbeamten auseinandersetzen muss und danach Chrissies Job fast alleine erledigt. Außerdem wären da noch P. Immel und Kacki, der eigentlich Karsten 1 heißt, die beide zu den ArschArt-Pseudohausbesetzern gehören, obwohl P. Immel das Haus eigentlich geerbt hat. Hausbesetzungen versprechen aber mehr Aufmerksamkeit für die eigene Kunst und die hauseigene Band Dr. Votz. Zumindest wünscht sich das P. Immel. Und dann haben wir noch Herr Lehmann mit neuem Putzjob, den neuen Nachbarn Marko, eine Kettensäge, eine Ausstellung und unbedeutend, bedeutsame Fragen für die zentralen Figuren des Buches. Wie zum Beispiel die Frage nach der perfekten Kaffeemaschine.

Das Buch lebt von den einzelnen Episoden, die immer aus der Perspektive des jeweiligen Protagonisten erzählt wird, wodurch die kleinen Macken und Absurditäten wunderbar herausgestellt werden und man ständig das Gefühl hat, ein Teil des Café Einfall-Konstrukts zu sein.

(Paul Schall)

Links:
http://www.svenregener.de/
http://www.galiani.de/

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