„Spätestens in 30 Jahren sind Spiele dann komplett normal. Wie damals mit dem Radio.“ - Schallhafen im Interview mit Christian von den GamingClerks

Geschrieben von: Marc Oliver Braun am .

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„Spätestens in 30 Jahren sind Spiele dann komplett normal. Wie damals mit dem Radio.“ - Schallhafen im Interview mit Christian von den GamingClerks
Irgendwo sind wir alle Gamer, auch wenn wir Games entwickeln! - Im Interview mit Christian von den GamingClerks (Teil 2)
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Christian von den GamingClerks

Bei den GamingClerks aus Hamburg handelt es sich um das furioses Duo namens Niko und Christian aus Hamburg, die einen YouTube-Kanal rund ums Zocken und ein Netzwerk ihr eigen nennen und sich damit seit 2009 auf dem harten Pflaster der Videounterhaltung tummeln. Wir haben die beiden beim Gamerstammtisch „Kultur aus der Konsole“ im Düsseldorfer Zakk abgefangen und Christian einige Zeit später zum ausführlichen Interview über prägende Spieleerlebnisse, die besten Spielesoundtracks und das Entertainment-Business geladen.

Moin Christian, stell dich unseren Lesern doch mal vor!

Christian: Hi! Ich bin der Mitgründer von GamingClerks! GamingClerks entstand 2009 aus einer Kooperation mit einem Kollegen, der ein Online-Spielemagazin führte. In der Zeit animierte ich Cartoons und fing an für sein Online-Mag Videos zu produzieren. Dafür erstellte ich kleine Formate inklusive Intros, um dem ganzen mehr Charakter zu geben! Aus der Idee entstand GamingClerks. Heute mache ich weiterhin alle Intros des Kanals und kümmere mich um alles Technische. Inhaltlich versuche ich GamingClerks mit kreativen und einzigartigen Videos zu füllen, die man so sonst nicht in Deutschland findet.

Ende April wart ihr beim Gamerstammtisch "Kultur aus der Konsole" in Düsseldorf zu Gast. Du bist es ja sonst gewohnt, vor eine Kamera in den eigenen vier Wänden zu sprechen, wie schwer war es, dann auch vor Live-Publikum souverän rüberzukommen?

Christian: Da ich eine geborene Laberbacke bin, habe ich keinerlei Probleme live vor einem Publikum zu sprechen. Tatsächlich empfinde ich Livestreams anstrengender, da man dort direkt Feedback bekommt, über den Chat. Wenn man was Blödes macht oder sagt, rattern da ganz schnell die entsprechenden Nachrichten rein! Bei Live-Publikum ist das Schlimmste was passieren kann die fehlende Reaktion. Zum Beispiel, wenn man denkt „Das könnte doch witzig sein!“ und statt Lachen gibt es Grillenzirpen. Wurden diese bodenlosen Löcher eigentlich bereits erfunden?

Wie läuft das YouTube-Business zurzeit? Wie entwickelt sich euer Kanal?

Christian: YouTube selbst entwickelt sich langsam immer mehr zu dem, was wir am Fernsehen kritisierten. Generell: Je simpler und stumpfer, desto besser! Wir versuchen weiterhin unsere Balance zu halten mit Infotainment Videos, damit wir nicht von unserer ursprünglichen Vision abkommen. Auf YouTube wird Watchtime belohnt, daher bringen wir nun häufiger sehr einfach produzierte Videos wie Kolumnen, damit der YouTube-Algorithmus uns mag. Klappt ganz gut!


Ihr habt ja mit POWmedia eines der ersten deutschen YouTube-Netzwerke gegründet. Wir wollen Blicke hinter die Kulissen! Wie sahen die Anfangstage aus, was kannst du uns für Geheimnisse in dem Zusammenhang verraten?

Christian: Wir waren drei Jahre lang ein normaler Kanal und wollten immer direkt bei YouTube Partner werden, denn damals ging das noch! Das klappte jedoch nie und wir sahen uns selbst nach einem Netzwerk um. In der Zeit war es normal, dass der Content Ersteller so um die 30-40% der Einnahmen bekommt. Bevor wir etwas unterschrieben haben, erlangten wir dank Niko Kontakt zum damaligen YouTube-Partnermanager. Eine kurze Mail und wir waren Partner! Daraufhin kam eine Mail zurück mit der Frage, ob wir ein Netzwerk gründen wollen. Nach einer kurzen Teambesprechung stimmten wir zu! Es war also nie der Plan, irgendwann mal ein Netzwerk zu gründen. Der Gedanke alles besser zu machen war aber genug, um es zu versuchen! Und die erste Regel war: Die Content-Ersteller bekommen IMMER den Löwenanteil. Damals bereits mindestens 60%. Man kann sich vorstellen: Die anderen Netzwerke mochten uns nicht!

Was bietet ihr euren Videokünstlern als Netzwerk denn eigentlich?

Christian: Wir sind ein familäres-Netzwerk. Wir holen maximal einen neuen Künstler pro Monat dazu und die kommen auch nur per Vitamin B bei uns rein. Da wir somit ein kleines Netzwerk sind, haben die Partner direkt mit uns Kontakt und müssen sich nicht durch Angestellte kämpfen. Wir kennen unsere Partner und wissen, was sie machen. Wir gehen mit ihnen was trinken und haben sogar Freundschaften geschlossen. Unsere Philosophie wird von unseren Partnern geteilt. Das schätzen wir sehr!

Eure Videotaktung ist ja recht hoch. Die obligatorische Frage direkt am Anfang: Könnt ihr beide in einer teuren Stadt wie Hamburg davon gut leben?

Christian: Ohne das Netzwerk auf keinen Fall. Ohne das Netzwerk könnte nicht mal eine Person davon leben. Ich würde gar behaupten: Egal welche Stadt, nirgendswo könnte man mit unseren Zahlen überleben. Aber wir sind auch ein Format-basierender Kanal. Das läuft im deutschen YouTube bei weiten nicht so gut wie zum Beispiel ein Lets Play oder Vlog Kanal. Im deutschen YouTube geht es um die Persönlichkeit. Mit unseren Kolumnen haben wir da einen Weg gefunden das ebenfalls zu bringen. Aber dennoch: Würden wir YouTube-Gossip oder „Pranks“ machen oder ähnliches würden wir garantiert auch schneller Erfolg haben. Problem ist: Wir wollen nachts gerne noch mit guten Gewissen schlafen können!

Wie finanziert sich das? Gerade vor dem Hintergrund, dass vor Kurzem viele große Werbepartner bei YouTube abgesprungen sind.

Christian: Das meiste Geld kommt nicht von YouTube, sondern von Sponsoren, Produktplatzierungen etc. Das YouTube-Geld ist gut, um etwas zusätzlich zu haben, wer aber mit einem mittelgroßen Kanal überleben will, muss mehr machen. Da helfen Netzwerke, da sie an Deals kommen, die man sonst nicht bekommen hätte. Ein Kanal mit zum Beispiel 2 Millionen Views sollte gut davon leben können, solange er nicht absoluten Bockmist baut! Und um Himmels willen…Zahlt eure Steuern! Das kann sonst ganz böse enden.

Das Generationendenken wird seit PS4 Pro und Xbox One X generell aufgebrochen. Das heißt man kann Xbox One-Spiele auf der frisch angekündigten Xbox One X mit 4K-Auflösung zocken, aber es wird keine Spiele geben, die exklusiv auf der neuen Konsole laufen. Was erhofft ihr euch von dieser Entwicklung? Wo siehst du Vorteile, wo Nachteile?

Christian: Die Konsolen passen sich den Mobile-Markt an, wo wir genau das erleben dürfen. Nach der Xbox One X wird es garantiert eine Konsole geben, auf der Spiele erscheinen, jene auf der ursprünglichen Xbox One nicht mehr laufen werden. Und das ist okay! Alles andere hält den Fortschritt zurück. Wir können nur hoffen, dass wir keine Mikro-Schritte machen. Die Xbox One X ist das, was wir damals erwartet hatten, was die neue Generation kann. Grundsätzlich sehe ich da nur Vorteile. Es sei denn es kommt zu einer Ausschlachtung und jedes zweite Jahr folgt nun ein neues Modell. Aber das wird sich zeigen!

Und wie stehst du zu noch jungen Nintendo Switch?

Christian: Die Switch ist meiner Meinung nach die einzige Konsole, die sich aktuell wirklich lohnt. Alles andere bekomme ich auf dem PC in besser. Die Switch hingegen bietet mir nicht nur Spiele, die es nur dort gibt, sondern auch ein Killerargument. Alle Spiele auch unterwegs spielen zu können, ist der Wahnsinn! Als ich Mario Kart 8 im Zug spielte, kam ich nicht vom Gedanken weg, wie irre es ist, ein Spiel in den Ausmaßen und in der Optik unterwegs zu spielen. Solange Nintendo die Konsole mit guter Software verpflegt, könnte es die beste Nintendo Konsole UND auch Handheld der letzten Generationen sein. Und genau deswegen brauchen wir Nintendo. Damit nicht zwei Firmen exakt dasselbe Konzept verfolgen und sich nur mit Prozessorleistungen duellieren. Auch wenn nicht alles Gold ist, was Nintendo raus bringt, es ist sehr wichtig, dass zumindest einer immer Neues probiert!

Ein Blick in die Glaskugel: Wie stellt ihr euch den Dritthersteller-Support für die Konsole vor? Reine Ports von Xbox One oder PS4-Spielen werden ja aufgrund der limitierteren Technik nicht drin sein. Ich persönlich hoffe ja nicht, dass sich das Wii U Dilemma wiederholt und man während der Lebenszeit der Konsole nur mit einer Handvoll guten Spielen auskommen muss.

Christian: Da wir hier von einer Nintendo Konsole sprechen, sehe ich da absolut kein Problem. Welche Nintendo Konsole nach dem SNES hatte wirklich guten Third Party Support? Die Wii? Okay, und welche Third Party Spiele auf der Wii verkauften sich auch gut? Kleiner Tipp: In den Top 20 sind nur Just Dance und Zumba Fitness. Third Party Spiele. Also was genau will man auf der Switch? Ein hässliches Assassins Creed Origins? Ein hässliches Beyond Good and Evil 2? Die Wii hatte sehr viele halbherzige Third Party Spiele, die sich gut verkauften, weil es auf dem Papier gut klang - siehe Carnival Games. Das brauchen wir nicht. Wir brauchen: Stardew Valley, Enter the Gungeon, Binding of Isaac, Rocket League, FAST RMX und weitere Spiele. Wir brauchen die coolen Indie-Spiele, die mit Leidenschaft entwickelt wurden und perfekt auf die Konsole passen. Und für alles andere sehe ich Kooperationen sinnvoll wie Mario+Rabbids. Aber grundsätzlich: ALLE Publisher glaubten nicht an den Erfolg der Switch. Keiner, außer eben Ubisoft mit Mario+Rabbids hatte ein Switch-Spiel in der Produktion. Das ändert sich nun, dank dem überraschenden Erfolg (für die Firmen, nicht für mich). Daher dürfen wir frühestens nächstes Jahr, wenn nicht gar erst 2019 mit wirklich interessanten Third Party Switch Spielen rechnen!

Die obligatorische Liebingsspiel-Frage!Welches Spiel hast du regelrecht verschlungen in Sachen Zeit und Aufmerksamkeit?

Christian: Ultima Online hat so ziemlich mein Leben eingenommen. Angefangen als ich 12 war, ging der Spaß gute sechs bis sieben Jahre. Wie viele Stunden ich da rein investierte? Das will niemand wissen. Das will ich nicht wissen! Die Zahl wäre zu dramatisch! Und mein Schulzeugnis spiegelt das wieder…Ansonsten sagt mir Steam Left4Dead 1 mit 143 Stunden, Left4Dead 2 mit 107 Stunden, Saints Row 3 mit 60 Stunden und Assassins Creed Brotherhood mit 52 Stunden. Davon bereue ich tatsächlich nichts! Oh…und Zelda Breath Of The Wild natürlich. 60+Stunden und es werden noch mehr. Aber das kennt jeder Switch-Spieler!

Auf der nächsten Seite verrät euch Christian, welche Musik er feiert, was das Geheimnis hinter seinem Fachwissen ist und wie seine ersten Schritte als Gamer aussahen.



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