„Ich hoffe, dass sich das Bild des Gamers in den Köpfen der Nicht-Gamer langsam, aber dauerhaft verändert.“ - Im Interview mit: Carsten Preuss von „Kultur aus der Konsole“

Geschrieben von: Marc Braun am .


Der Veranstalter und Moderator von "Kultur aus der Konsole" Carsten Preuss mit seinem Kind

Gaming ist in aller Munde: Es gibt tausende Let's Plays, diverse TV- und Webformate, Spielemessen wie die Gamescom und Podcasts. Was aber irgendwie, zumindest in NRW komplett fehlt, war eine Veranstaltungsreihe, die sich dem Thema widmet, Gaming regelmäßig auf die Bühne bringt und einen direkten Austausch zwischen Gamern vor und hinter der Kamera ermöglicht. „Kultur aus der Konsole“ hat im September letzten Jahres diese Lücke geschlossen und genau das geboten. Mit prominenten Gästen aus der Szene spricht Moderator Carsten Preuss über neue Trailer, aktuelle Spiele und Entwicklungen in der Branche. Das Publikum kommt in einer Fragerunde dann selbst zu Wort. Natürlich wird auch ein bisschen gegen den Gast gezockt und es gibt sogar immer ein cooles Gimmick zu gewinnen. Wir sind seit Ausgabe Nummer 1 dabei und haben uns sehr gefreut, Let's Player Bruugar (der mit Freundin Lia und seinem besten Freund Dicker Wikinger immer wieder als Zuschauer vorbeischaut), Trant und Wolf von Game One und Inside Playstation selber in einem entspannten Rahmen kennenlernen zu können. Der nächste Gamer-Stammtisch ist am Freitag, den 25.11.2016 und zu Gast ist niemand Geringeres als Rocketbeans-Moderator und Game One Urgestein Gregor Kartsios! Kosten tut der ganze Spaß übrigens nichts.

Da wir mal genauer wissen wollen, wer hinter dem Stammtisch steckt, haben wir mit Veranstalter und Moderator Carsten Preuss über „Kultur aus der Konsole“, Lieblingsspiele, -soundtracks, Let's Player und seine Gamer-Wurzeln gesprochen.

Wie kam es zur Veranstaltungsreihe „Kultur aus der Konsole“? Welche Idee steckt dahinter?

Wir wollen dem Thema Videospiele eine kulturelle Plattform bieten. Ich war schon immer begeistert von TV-Formaten wie GIGA oder Game One und fragte mich, ob etwas Vergleichbares auch in einem kleinen Rahmen mit Live-Publikum funktionieren würde. Glücklicherweise fand ich im Zakk Düsseldorf einen Planer mit derselben Begeisterung für das Thema Gaming. Er konnte die Geschäftsführung von unserem Konzept überzeugen und voilà...Da sind wir!

Was machst du, wenn du nicht gerade auf einer Bühne über Games fachsimpelst?

Ich studiere Theaterwissenschaften in Bochum und arbeite nun schon seit zehn Jahren im Zakk Düsseldorf. Außerdem arbeite ich projektorientiert mit Jugendlichen in einem Jugendzentrum in Neuss. Ach ja, ein liebender Familienvater bin ich auch.

Wie ist die Resonanz auf „Kultur aus der Konsole“?

Durchweg positiv und wenn mal etwas Negatives dabei war, dann war es bisher nur konstruktive Kritik. Ich denke wir haben bei vielen das Gefühl von "Wir sind froh, dass es so etwas mal gibt!" ausgelöst.

Wie bequem ist die Kultur-Couch wirklich?

Um ehrlich zu sein, die Bequemlichkeit wird durch unseren jeweiligen Gast extrem gesteigert. Aber auch wir versuchen unserem Gast die Couch durch eine entspannte Atmosphäre und unser begeistertes Live-Publikum bequemer zu machen. Bei uns soll man sich wohlfühlen und entspannt über Games philosophieren dürfen.

In den ersten drei Ausgaben gastierten bereits Let's Player Bruugar, der ehemalige „Game One“ und jetzt „Inside Playstation“-Moderator Wolf Speer und der ebenfalls aus beiden Formaten bekannte Redaktionsleiter Carsten „Trant“ Grauel. Nach welchen Kriterien suchst du deine Gäste aus?

Bei unserer ersten Ausgabe fragte ich mich: "Wen würde ich gerne neben mir sitzen haben?", da kam mir direkt Bruugar in den Sinn. Er war der Let’s Player, der mich vom Format Let’s Play überzeugt hat. Ich war gleichermaßen begeistert und überrascht, als seine Zusage kam. Wie bereits erwähnt hatte Game One einen großen Einfluss auf meine Videospiele-Leidenschaft, also habe ich Wolf Speer angeschrieben. Als auch er zusagte und extra aus Hamburg anreiste, habe ich kurzerhand die Fühler nach Carsten Grauel ausgestreckt. Wir als Team hinter "Kultur aus der Konsole" sind aber immer für Vorschläge und Anregungen, was unsere Gästewahl betrifft, dankbar.

Wen würdest du gerne mal bei „Kultur aus der Konsole“ begrüßen dürfen?

Da gibt es noch so viele...In erster Linie bin ich froh all' die Gäste, die bereits bei uns waren, getroffen zu haben. Jeder, der sich dem Gaming auf die ein oder andere Weise mit Hingabe widmet, sollte der Community näher vorgestellt werden. Um aber zumindest einen Namen zu nennen, wäre Heinrich Lehnhart, einer der Spieleveteranen, ein Wunschgast. Sein Wohnort: Vancouver.

Welche Let's Player kannst du generell empfehlen?

Da ich selber leidenschaftlicher Anhänger der "Souls"-Reihe bin, gibt es für mich zwei Let’s Player, die ich euch besonders ans Herz legen möchte. Zum einen wäre da der Epic Name Bro. Er arbeitete intensiv an dem Lösungsbuch zu u. a. Dark Souls 2 mit und ist ein unglaublich sympathischer Let’s Player, der auch andere Projekte auf seinem Kanal hat.

Zum zweiten natürlich unser erster Gast Bruugar. Gerade seine Horror Games und Indie-Perlen machen wirklich Spaß. Vor allem gilt für mich bei Let’s Playern, das man sich denjenigen heraussuchen sollte, von dem man sich am besten unterhalten fühlt. Geschmäcker sind eben verschieden und gerade bei der Vielfalt an Let’s Playern ist für wirklich jeden Geschmack etwas dabei.

Kommen wir zu deinen Gamer-Wurzeln: Was war deine erste Berührung mit Videospielen?

Mein erstes Videospiel spielte ich in einer Spielhalle im Bulgarien-Urlaub. Ich war ungefähr sieben Jahre alt und das Spiel, an das ich mich aus diesem Urlaub am besten erinnere, war Yie Ar Kung-Fu.

Was war dein erstes Spiel und deine erste Konsole oder dein erster PC?

Mein erster Computer war der C64 mit einer Datasette. Eines der ersten Spiele, das ich an diesem Computer gespielt habe, war RAMBO III, ein Topdown-Action-Shooter. Mann, waren das Ladezeiten...

Geschmäcker sind verschieden. Guilty Pleasure! Was ist das unumstritten schlechteste oder peinlichste Spiel, das du über alles liebst?

Star Wars Force Collection - enough said!

Was ist das populärste oder von der Kritik gefeiertste Spiel, bei dem sich dir die Zehennägel hochklappen?

Die COD-Reihe, der Name sagt alles. Aber Spaß beiseite, leider ist der Hype um die Call Of Duty Reihe nie auf mich übergegangen.

Als Musikmagazin gibt es für uns bei jedem Game ein Kriterium, das entweder die perfekte Welle darstellt oder schlicht und ergreifend das Spiel mit in den Abgrund zieht: Der Soundtrack. Welche Klänge lassen dein Herz höher schlagen und was macht überhaupt den perfekten Videospielsoundtrack aus?

Der Soundtrack beinahe jedes Zelda-Spiels. Diese epochale Musik lässt mein Herz höher schlagen. Aber generell mag ich die Klänge von Koji Kondo, dem Taktstock hinter der Zelda- und Mario-Reihe. Aber ebenso die deutsche Retrolegende Chris Hülsbeck hat mich schon als Kind, während ich Turrican spielte, elektrisiert. Ach ja, ich möchte auch WipeOut auf der PS1 erwähnen, dort konnte man nämlich während des Rennens, eine eigene CD einlegen und zu seiner Lieblingsmusik fahren. Auch die Bioshock-Reihe hat mich musikalisch abgeholt, genauso wie das Intro jedes Borderland-Games mich direkt in die passende Spielatmosphäre katapultiert.

Was hörst du privat?

Privat gibt es einige Sachen, die ich je nach Stimmung auflege. Da wäre z. B. Modest Mouse, Mos Def, Whitest Boy Alive, Twenty One Pilots, The Police, Queen, Boot Camp Clik, Air, Portishead und viele mehr.

Was sind deine Platten für die Ewigkeit?

"We Were Dead Before The Ship Even Sunk" von Modest Mouse
"Greatest Hits II" von Queen
"Dreams" von Whitest Boy Alive
"Unter The Pink" von Tori Amos
"Moon Safari" von Air
"Blurryface" von Twenty One Pilots

...und zu viele andere, um sie hier alle zu erwähnen.

Der gesellschaftliche Standpunkt von Videospielen war lange umstritten. Zwar wird der Kampf so schnell nicht enden, doch ist der positive Aufwind nicht mehr zu verleugnen. Nach und nach werden die Hürden auf dem Weg zu Anerkennung und Akzeptanz gebrochen. Ein Vorreiter sind da mit Sicherheit Let's Player. Was denkst du, wie sich die deutsche Szene dort noch besser einbringen kann und wie wichtig ist dir das öffentliche Bild von Games in der Gesellschaft und den Medien?

Ich hoffe, dass sich das Bild des Gamers in den Köpfen der Nicht-Gamer langsam, aber dauerhaft verändert. Man findet sicher noch Menschen, die Gamer entweder für potentielle Amokläufer halten oder Gaming als Ersatzbeschäftigung für übergewichtige Kellerkinder, die keine Freundin finden können. Aber spätestens seit dem Kult rund um die Let’s Player und dem medialen Interesse an Veranstaltungen wie beispielsweise dem Webvideopreis werden solche Klischees hoffentlich bald der Vergangenheit angehören.

Was ist dein Lieblingsspiel und warum?

Mein Lieblingsspiel wechselt quasi jährlich. Ich liebe es FIFA mit Freunden zu spielen, aber ich liebe es ebenso mit meiner Frau die Welt von Fallout oder The Witcher zu erleben. Ich kann mich zum Glück auf kein Spiel festlegen.

Es gab, so erzählt man sich, auch eine Zeit vor dem Internet. Da machte man sich einen ersten Eindruck über Videospiele durch deren Cover und die Screenshots auf der Rückseite. Wie musste ein Cover aussehen, damit du dir das Spiel in der Hand mit nach Hause nimmst?

Schon recht früh wusste ich, dass Cover bei Videospielen nicht mal im Ansatz ihren Inhalt wiederspiegeln. Dennoch kann ich mich daran erinnern Teenage Mutant Ninja Turtles für das NES nur aufgrund des Covers gekauft zu haben. Die Screenshots waren dabei weniger ausschlaggebend, als die Tatsache, dass die Turtles auf dem Cover waren...die TURTLES! Ich mag es auf Covern definitiv eher angedeutet als fotorealistisch.

Und dann gab es natürlich Videospiel-Magazine. Welche hast du gelesen, was liest du heute im Netz (oder gar immer noch als Printausgabe)?

Immer noch gerne die M! oder die Gamestar als Printausgaben. Im Internet schaue ich mir meist allgemeine News auf gamersglobal.de an.

Und zum Ende hin noch eine Schnellfragerunde: 

Mouse oder Controller? Controller
Burger oder Pizza?
Pizza
Bloodborne oder Dark Souls? Kann ich erst beantworten, wenn ein Sequel zu Bloodborne erscheint.
Bier oder Wasser? Wasser.
Singleplayer oder Multiplayer? Singleplayer oder Koop mit Splitscreen, kein Online-Mulitplayermodus.
Online oder offline? Offline.
Batman oder Spiderman? Bei Comics definitiv Spiderman, im Gamingbereich hat leider Batman die Nase vorn.
Star Wars oder Star Trek? Seit J.J. Abrahams definitiv beides.

Was möchtest du unseren Lesern noch mit auf den Weg geben?

Zelebriert eure Gaming-Leidenschaft und kommt in jedem Fall am 25.11.2016 zum nächsten „Kultur aus der Konsole“-Abend ins Zakk. Unser Gast ist diesmal niemand anderes als Gregor Kartsios von u.a. den Rocketbeans!

Vielen Dank für das Interview, Carsten!

(Die Fragen stellten: Marc Braun und Norman Bittner)

Kultur aus der Konsole #4
Wann: Freitag, der 25.11.2016
Wo: Zakk (im Club), Fichtenstraße 40, 40233 Düsseldorf
Einlass: 19:30 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr
Eintritt: Frei!

Kommt rum, wir und der Dicke Wikinger sind natürlich auch mit von der Partie.

Links:
www.facebook.com/kulturausderkonsole
www.zakk.de/event-detail?event=5239

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