„Ein Spiel ist ein Spiel, keine Kunst, aber auch kein Militärtraining.“ - Im Interview mit: Let's Player Dicker Wikinger

Geschrieben von: Marc Braun am .


Der Longboard-Führerschein kommt bestimmt, Dicker Wikinger ist jedenfalls bereit.

Wenn man auf YouTube nach Let's Plays sucht, in dem die zumeist jungen Protagonisten dich nicht ständig anbrüllen oder die sich vielleicht nicht gerade um Minecraft drehen, stößt man unter Umständen auf Let's Player wie die Rocketbeans oder Bruugar. Der Weg zum Dicken Wikinger ist dann auch nicht mehr weit. Schließlich ist der Kölner doch der beste Freund und Mitbewohner von Bruugar und spielt ebenso leidenschaftlich Games. Er spricht ein vergleichsweise älteres Publikum an und braucht daher auch nicht auf Titten-Thumbnails oder Clickbait-Titel zu setzen. Wir haben ihn zum Interview über Motivation, Letsplays an sich, die Bedeutung von Spielen in der Gesellschaft, Streaming und Musik geladen.

Vor circa zwei Jahren hast du dein erstes Video hochgeladen. Was hat sich seit dem für dich verändert, womit hast du gerechnet und womit eher nicht?

Es hat sich wirklich einiges verändert. Seitdem habe ich eine Konstante in meinem Leben. Etwas, das immer meine Aufmerksamkeit braucht und in dem ich mich wirklich ausleben kann. Ich hab damit gerechnet, dass ich früher oder später Zuschauer bekomme, ich sag immer: "Es gibt für ALLES ein Publikum." Dass es nach zwei Jahren und angesichts des Überflusses so auf Youtube bei mir aussieht, hätte ich nicht gedacht. Womit ich auch nicht wirklich gerechnet habe, ist das ich mittlerweile sehr, sehr viele Bekanntschaften in der Youtubeszene gemacht habe, was meinem besten Freund und Mitbewohner Bruugar zu verdanken ist. Netzwerktreffen, Special Screenings und Abhängen in einer Lounge auf Events. Alles ziemlich geil.

Als Erstlingswerk gibt es natürlich eine überwältigende Masse an Auswahlmöglichkeiten. Gibt es einen bestimmten Grund für deinen Einstieg mit The Last Of Us?

Dass ich The Last of Us als Einstieg gewählt habe, war eher Zufall. Das Spiel hat eine Menge Hype erfahren, als es remastered wurde und dieser Hype ist auch auf mich übergegangen. Was ich allerdings nicht wusste, The Last of Us ist ein Spiel, das ein gewisses Maß an Schleichskills voraussetzt, was mir doch dann und wann zum Verhängnis wurde. Nichtsdestotrotz hat mich das Spiel gepackt und ich hab es von vorn bis hinten durchgezogen.

Was macht deine Let's Plays aus?

Ich denke das, was meine Let's Plays ausmacht, bin einfach ich. Ich mache kein Ding draus, wenn ich mal einen nicht so guten Tag habe oder wenn ich mich einfach mal nur schlecht spiele. Ich finde in meiner Position, (damit meine ich weit unten) die ich aktuell auf YouTube habe, kann ich eigentlich machen, was ich will und mir wird kein Strick daraus gedreht. Das lässt mir sehr viel Platz in der Spielauswahl und auch Formaten, die meinen Kanal ausmachen.

Du bist in deinen Videos sehr greifbar, sprichst über persönliche Entwicklungen und die Wertschätzung deiner Arbeit. Welche Erfahrungen hast du mit deiner natürlichen, offenen Art in der oftmals überstilisierten, thumbnailfixierten YouTube-Welt machen können?

Dass viele Leute ziemlich überrascht sind. Ich höre ab und zu Sachen wie "Hey, du bist unglaublich sympathisch." oder das klassische "Du machst das gut, du hast viel mehr Abos verdient.". Das bestärkt mich nur weiter meiner "Linie" treu zu bleiben und ich selbst zu sein. Um ganz ehrlich zu sein, wäre ich wahrscheinlich viel erfolgreicher mit dem, was ich tue, wenn ich Clickbait-Titel und grenzwertige Thumbnails verwenden würde. Das kann ich aber mit mir absolut nicht vereinbaren und ich hoffe, dass sich irgendwann Qualität auf YouTube durchsetzen wird.

Da du ja auch regelmäßig live über Twitch streamst: Was sind für dich die Besonderheiten?

Die Besonderheit am Streamen ist einfach der, dass man direkt mit den Zuschauern interagieren kann. Außerdem ist es sehr entspannend. Ich mach Musik an, starte ein Spiel und los geht's. Die vier bis fünf Stunden, die ich jeden Samstag streame, gehen immer wahnsinnig schnell um.

Was man sich bei jedem fleißigen LetsPlayer fragt: Lohnt sich das finanziell? (Wiki ist YouTube-Partner, aber kein Twitch-Partner.)

Nein, natürlich lohnt es sich finanziell überhaupt nicht. Im Gegenteil. Am Anfang habe ich 220€ in Aufnahmehardware für Bild und Ton gesteckt und inzwischen habe ich gute 1500€ investiert, vom PC über den Greenscreen bis hin zur Kamera für Vlogs und Events. Ich bekomme aber das gute alte "Youtubemoney", was mir im Monat dann gern mal ein Kinobesuch und einen Döner bezahlt. :P Alles in allem geht es mir aber ganz und gar nicht um das Geld. Menschen zu unterhalten ist für mich der größte Lohn.

Was machst du eigentlich hauptberuflich?

Hauptberuflich arbeite ich in der Lagerlogistik. Es ist eine recht einfache Arbeit, die aber zum Leben reicht und mir genug geistigen Freiraum für Youtube und Twitch lässt.

Was ist dein liebstes eigenes LetsPlay?

Das ist wirklich sehr, sehr schwierig für mich. Ich bin selber mir gegenüber so unglaublich kritisch, dass es mir schwerfällt hier mein Liebstes zu nennen. Ich denke, dass ich wirklich sagen muss, dass derzeit mein Dark Souls 3 Let's Play so ziemlich das Beste ist. Ich hab zumindest am wenigsten daran auszusetzen ;)

Als Musikmagazin gibt es für uns bei jedem Game ein Kriterium ,das entweder die perfekte Welle darstellt oder schlicht und ergreifend das Spiel mit in den Abgrund zieht: Der Soundtrack. Welche Klänge lassen dein Herz höher schlagen und was macht überhaupt den perfekten Videospielsoundtrack aus?

Ich glaube, dass es den perfekten Spielesoundtrack nicht gibt. Dafür sind Geschmäcker einfach viel zu verschieden. Ich denke aber mein persönlicher Lieblingssoundtrack ist Zelda: Ocarina of Time. Überall ist Musik, man selber spielt auch ein Instrument im Spiel. Für mich passen all diese Stücke wunderbar in das Spiel und machen es zumindest musikalisch für mich fast perfekt.

Was hörst du privat?

Privat höre ich mittlerweile recht viel, das reicht von meinem Alltime-Favorite-Genre Metal (Slipknot, Slayer, Metalcover von Popsongs) über elektronische Musik (hier höre ich keinen bestimmten Künstler, generell gerne Drum 'n' Bass) bis hin zu Rap (Kontra K, Die Antwoord).

Was sind deine Platten für die Ewigkeit?

Meine Platten für die Ewigkeit? So ziemlich alles von Slipknot und das erste Album von Lindsey Stirling.

Der gesellschaftliche Standpunkt von Videospielen war lange umstritten. Zwar wird der Kampf so schnell nicht enden, doch ist der positive Aufwind nicht mehr zu verleugnen. Nach und nach werden die Hürden auf dem Weg zu Anerkennung und Akzeptanz gebrochen. Ein Vorreiter sind da mit Sicherheit Let's Player. Was denkst du, wie sich die deutsche Szene dort noch besser einbringen kann und wie wichtig ist dir das öffentliche Bild von Games in der Gesellschaft und den Medien?

Das öffentliche Bild von den Games ist mir so ziemlich egal. Ich finde die übertrieben mediale Präsenz von Games positiv sowie negativ nicht gut. Ein Spiel ist ein Spiel, keine Kunst, aber auch kein Militärtraining. Ich sehe das wirklich ganz locker. Spiele sind Spiele. Sie sollen Spaß machen, unterhalten, vielleicht eine Geschichte erzählen. Mehr meiner Meinung nach nicht.

Wir sind uns ja schon beim Gamer-Stammtisch "Kultur aus der Konsole" im Düsseldorfer Zakk begegnet. Was hältst du von dem Format und wie sind deine persönlichen Erfahrungen? Bei der ersten Ausgabe war ja zum Beispiel dein bester Freund Bruugar auf der Bühne.

Ich finde das Format im Zakk echt gut. "Kultur aus der Konsole" lautet ja der Titel des Formats. Damit gehe ich wie ich oben schon schrieb nicht ganz einher. Es ist aber trotzdem schön in einer Runde voller Nerds das ganze Thema Videospiele etwas erwachsener anzusehen.

Kommen wir zu deinen Gamer-Anfängen: Was war deine erste Berührung mit Videospielen?

Die Umstände, wie ich zu meiner ersten Videospielerfahrung gekommen bin, weiß ich leider nicht mehr, nur dass es Sonic auf dem Master System 2 war, das ich damals besaß. Was ich aber hier noch ergänzen muss, ist dass mein erstes Spiel, was ich wirklich bewusst miterlebt habe, wo ich mitgefiebert habe, wo ich das erste mal Emotionen in Videospielen hatte, war Red Dead Redemption.

Was ist dein Lieblingsspiel und warum?

Schwierig. Ich würde sagen ArmA 3 in Verbindung mit der Battle Royale Mod. Ich bin nicht sonderlich gut in dem Spiel, aber es ist für mich ein Spiel der Emotionen. Ich war in Spielen noch nie so angespannt, glücklich oder wütend wie in ArmA.

Welche YouTuber kannst du generell empfehlen außer Bruugar?

Im konsumiere wirklich viele Creator auf Youtube. Die, die mich am meisten begeistern sind "Exploring with Josh" ,"FRANKIEonPCin1080p" und "Moondye7".

Es gab, so erzählt man sich, auch eine Zeit vor dem Internet. Da machte man sich einen ersten Eindruck über Videospiele durch deren Cover und die Screenshots auf der Rückseite. Wie musste ein Cover aussehen, damit du dir das Spiel in der Hand mit nach Hause nimmst?

Schlicht muss es sein, mit einem gut designten Charakter vor einer schönen Landschaft. Bam!..Gekauft!

Und dann gab es natürlich Videospiel-Magazine. Welche hast du gelesen, was liest du heute im Netz (oder gar immer noch als Printausgabe)?

Das letzte Printmagazin, was ich wirklich aufmerksam gelesen habe, ist ein Xbox Magazin (der Name ist mir leider entfallen). Ich bin vor paar Jahren sehr viel Bahn gefahren und das Magazin war mein stetiger Begleiter. Dann sind die Bahnfahrten weggefallen und das Magazin auch. 

Welches Spiel willst du nie wieder anfassen und warum?

Two Worlds 2. Ich hab mir das Spiel kurz nachdem ich Red Dead Redemption durchgespielt habe, gekauft und die Steuerung des Pferdes ist einfach so unglaublich schlecht im Gegensatz dazu. Das hat mich so sehr gestört, das ich's direkt wieder zurück geschafft habe.

Und zum Ende hin noch eine Schnellfragerunde:

Bloodborne oder Dark Souls?

Dark Souls

Burger oder Pizza?

Pizza

Mouse oder Controller?

Maus 

Bier oder Wasser?

Bier

Was möchtest du unseren Lesern noch mit auf den Weg geben?

Seid immer ihr selbst. Lebt eure Leidenschaft und achtet auf die Menschen, die ihr liebt.

Vielen Dank für das Interview!

(Die Fragen stellten Marc Braun und Norman Bittner)

Links:
www.youtube.com/user/dickerwikinger
https://www.twitch.tv/dicker_wikinger (Streams gibt es immer samstags von 12-16 Uhr)
https://twitter.com/Dicker_Wikinger

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