Wiedersehen und Neuland: So war Von Brücken am 25.01.2018 in der Kulturkirche Köln

Geschrieben von: Administrator am .


Von Brücken, Schnappschuss: Micha Schmidt 

Für Von Brücken selbst ist die Kulturkirche in Nippes längst zum Heimspiel geworden. Ihr erstes Konzert fand hier statt und an diesem Tag wird ihr viertes Konzert stattfinden, ein Zusatztermin, geschaffen um den Andrang der Fans Platz zu bieten. Würde man das Konzert allerdings wie jedes normale Konzert rezensieren, würde man den großen weißen Elefanten ignorieren, der mitten in der Kulturkirche steht. All die Dinge, die zum letzten Konzert geschrieben wurden (hier nachzulesen), können so auch vom Konzert am 25.01.2018 geschrieben werden. Wenn man nur ein Album veröffentlicht hat, kann man die Setlist nicht groß verändern und nur wenige werden es als Überraschung erleben, dass dieses Mal nicht der klassische Opener benutzt wird. Die schmälert den Wert des Konzertes nicht, welches ausgezeichnet war, macht es aber notwendig den Fokus auf die neuen Songs zu richten. Aber der weiße Elefant des neuen Albums ist es, der Leser und Zuhörer aufhorchen lassen sollte. Erste Konturen des neuen Albums werden dichter und es wird deutlich, wohin die Reise auf der nächsten Platte gehen wird. Aber beginnen wir erstmal mit dem Konzert selbst.

Mit der Wahl von Deniz Jaspersen als Vorband haben sich Von Brücken einen Gefallen getan, der Sänger der offiziell auf unbestimmte Pause pausierenden Herrenmagazin gewinnt das Publikum durch seine unaufgeregte Art, die an einen optimistischen Olli Schulz erinnert, ohne sich jedoch aufdringlich in den Vordergrund zu spielen. Das Spiel mit der Kirchenakustik ist jedes Mal aufs Neue beeindruckend und bricht, trotz der Bestuhlung in den Kirchenbänken, die Distanz zwischen Band und Publikum schnell auf. Das Publikum selbst ist sehr durchmischt, von 14 bis 70 ist alles dabei, die meisten schmiegen sich in ihre Mäntel und nutzen kurze Umbaupausen, um schnell Getränke zu holen, nichts verpassen, aber auch nicht durstig bleiben. Bürgertum in einem angenehmen Sinne, man kommt nicht umhin zu vermuten, dass die meisten der Anwesenden einige Musiker bei Niedeckens BAP wiedersehen werden. Trotz eines leichten Kratzen in der Stimme von Sänger Nicholas Müller, präsentiert man sich souverän. Professionalität ist eines der hervorstechendsten Merkmale dieser Band, auch wenn sie diese immer wieder durch kleine Witze herunterspielen. Von Brücken ist ein Projekt im positivsten Sinne, durch die schwankenden Zahlen an Live-Musikern ist man darauf angewiesen seine Sets in und auswendig zu kennen um notfalls fehlende Instrumente zu ersetzen, auch wenn erst in der Vollbesetzung, wie an diesem Donnerstagabend, sich die ganze Schönheit des Sets zeigt. Das Album wird fast vollständig gespielt, die Großen Songs wie „Lady Angst“ „Dann sammle ich Steine“, „Blendgranaten“ und „Die Parade“ sind alle dabei. Der Klang ist klar und kräftig und das Publikum textsicher, sodass viele Passagen weit in den Raum hineinklingen und bis zum Ende des Konzertes die Stimmung euphorisch bleibt. Von Brücken könnten zufrieden sein.


Deniz Jaspersen, Schnappschuss: Micha Schmidt

Dennoch steht man unter Beobachtung. Auf die neuen Songs, die schon im letzten Jahr präsentiert wurden, folgten kein neues Album, hört man im Publikum, neben der Begeisterung über den Auftritt, auch immer wieder den Wunsch nach einer neuen Platte raus. Von Brücken scheinen dies zu spüren, so gab es am Donnerstag die Versicherung, dass man schon an die 24 Lieder haben würde. Nicholas müsste halt nur noch schnell Texte drüber hauen. Auch wenn man das nicht ganz ernst nehmen muss, geben die neuen Lieder, die Von Brücken während des Konzerts spielen, doch einen guten ersten Eindruck von dem, was den Hörer erwartet. (Kurze Anmerkung; Alle Titel sind den Liveankündigungen entnommen und können sich im Prozess der Albumbildung natürlich ändern, des weiteren ist natürlich nicht sicher, ob die Songs es auch aufs neue Album schaffen werden. Hier kann nur ein erster Eindruck gegeben werden.) „Das bin ich nicht“ erinnert beim ersten Hören an Kettcars „Balkon gegenüber“ und lässt deutlich die Anfänge von Nicholas Zeit bei Jupiter Jones erkennen. Nach Aussage der Band handelt der Song vom Moment, in dem man mehr Leergut als Freunde hat und erkennt, das man was ändern muss. Eine starke und rockige Nummer, die viel für das neue Album hoffen lässt. „Frau aus Stahl“ ist sehr gut mit „Dann sammle ich Steine“ zu vergleichen und beschreibt das Lebensende von Nicholas Großmutter, der Matriarchin der Familie Müller. Die Ballade kommt kräftig daher, überlässt die Trauer eher der Reflektion über das Leben und die Leere, die Personen hinterlassen. Dennoch ist es kein direkter Song über den Tod, eher über das Verschwinden und Sterben und den Versuch, diesen Vorgang von außen zu verstehen, auch in Form der Ansprache, selbst wenn diese schon ins Leere geht.

Von Brücken, Schnappschuss: Micha Schmidt 

„Elefanten (Teil 2)“ Vermessungen von Beziehungen ziehen sich durch das Gesamtwerk Nicholas Müllers, in dem er in „Elefanten (Teil 2)“ aber die Form des Duetts wählt, rückt er von seiner Beobachterposition ab und gibt dem Gegenüber die Chance zu antworten. Der Song lebt von zwei fantastischen Stimmen, die sich gegenseitig Kontra bieten, ohne den Raum des anderen einzuschränken. „Kleine Larmoriette (Schreibweise ist dem Autor unbekannt) für Orchester und Gesang“ Dieser Song mit dem längsten Titel (nach Aussage der Band bisher die dritte Version) ist großes Tennis. Wenn man schon eine so große und professionelle Band hat, dann sollte man sie auch benutzten, und so kommt das Gefühl einer Big Band auf, wenngleich man sich bewusst rockig gibt. Leider geht dies am Donnerstag zu Lasten der Akustik, so dass man nicht viel vom Text verstehen kann. Wir bleiben aber dran.

„Der Nagel“ Diesem Song wurde in der Ankündigung derselbe Stellenwert eingeräumt, wie „Die Parade“ auf dem letzten Platte. Was tief blicken lässt, kommt „Der Nagel“ doch recht bescheiden im Vergleich zum epischen „Die Parade“ daher. Doch lässt dies tief blicken, denn während im Debüt WEIT WEG VON FERTIG vor allem Lebensstationen, Rückblicke auf das Erreichte, Zeitvermessungen und Zukunftspläne eine Rolle spielen, sind die neuen Songs stark von zwischenmenschlichen Beziehungen geprägt. „Der Nagel“ handelt dann auch vom Unvermögen, gegenüber einer anderen Person normal zu sein und sich einzupassen. Musikalisch ist man zurückhaltender, überlässt dem Gesang viel Raum, nutzt dabei die einzelnen Instrumente aber effektiv.

(Micha Schmidt)


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