Das letzte Festival des Jahres: So war das Green Juice Special am 30.09.2017 im Brückenforum Bonn

Geschrieben von: Micha Schmidt am .


Turbostaat beim Green Juice Special, Foto: Micha Schmidt

Jeder der schon 18 wurde weiß: Nach dem Geburtstag mit den Freunden kommt die Familienfeier in kleiner Runde. Nicht so laut, nicht so spät, aber mit alten Bekannten, die man seit Jahren kennt und auf die man zählen kann. Auch wenn dem Green Juice bis zur 18 noch acht Jahre fehlen, so schließt sich das Green Juice Special doch lückenlos an ihr Programm vom August an (außer dass sie im Oktober etwas besseres Wetter hatten, trotz des Regens). Das Brückenforum, Schauplatz des Green Juice Specials, konnte schon als improvisierter Austragungsort des ersten Festivalstages dieses Jahrs betrachtet werden und bringt die besten Vorraussetzungen mit: Leicht erreichbar, angenehme Größe (außer vielleicht auf dem Raucherbalkon) und gute Akustik. Leider scheint sich eine gewisse Müdigkeit beim Publikum eingestellt zu haben, einige Karten wären noch zu haben gewesen. Doch wer gekommen ist, erscheint hochmotiviert und erlebt einen wundervollen Abend.

An Early Cascade machen den Anfang und beweisen erneut, dass sie über den Opener Status hinaus sind, was bei mehr Bands auch sicher der Fall gewesen wäre. Ihr Sound ist drängend und fordernd, ohne dabei in belanglose Musiker-Onanie abzugleiten, ihr Auftritt souverän und perfekt zur Einleitung des Abends geeignet. Die erst leere Fläche wird rasch voller und macht schnell deutlich, dass man die Entscheidung, den heutigen Abend beim Green Juice Special zu verbringen, nicht bereuen wird.


An Early Cascade verabschieden sich von der Bühne, Foto: Micha Schmidt

Matula haben nicht nur den weiten Weg aus den hohen Norden ins beschauliche Bonn hinter sich gebracht, sondern auch sichtlich Bock zu spielen. Dabei spiegelt sich der Stil ihres neuen Albums auch in ihrem Auftritt, Songs von Hoffnung und Scheitern hinter drängenden Gitarren, immer wieder unterbrochen von plötzlichen Ausbrüchen. Vielleicht ein wenig drängender als auf Platte, zeigen Matula nicht nur ihre gewachsene Erfahrung, sondern auch dem immer neuen Willen zur Veränderung und zum Neuerfinden, der sie antreibt.


Chefredakteur Marc ist nur ein ganz klein wenig (lies: extrem) neidisch, dass Redakteur Micha Matula mit neuen Songs sehen konnte, Foto: Micha Schmidt

Bei Partybands wie Schmutzki gehen die Meinung schnell auseinander, wobei der Begriff „Partyband“ hier ausdrücklich nicht wertend gemeint ist. Denn Schmutzki und ihre Fans liefern einen hervorragenden Job ab, wenn es darum geht, die Halle zum Beben zu bringen. Viele sind von weiter weg angereist und hochmotiviert, noch einmal Festivalluft zu atmen, bevor der Winter endgültig zuschlägt. So tobt die Halle schon nach dem ersten Lied und vom Konfetti bis zum aufblasbaren Dinokostüm ist alles dabei, was bei einem normalen Festival leicht untergeht, hier aber schon wehmütige Erinnerungen weckt. Doch Melancholie hält sich nicht lange, denn die drei Jungs geben alles, um der schlechten Laune an diesem Abend nicht einen Meter Boden zu überlassen.


Dino beim Festival? Normaler Move, Foto: Micha Schmidt

Turbostaat absolvieren ihren letzten Liveauftritt, bevor sie sich zurückziehen, um am neuen Album zu schrauben. Wie in Bonn üblich, können sie sich dabei auf eine treue Fanbase stützen, die jede Zeile auswendig mitsingt. Auch wenn Sänger Jan Windmeier leider an diesem Abend etwas heiser ist, spürt man keine Spur von Zurückhaltung. Turbostaat wählen den passenden Moment, um sich für ihr neues Album eine Pause zu gönnen: Die Songs der aktuellen Platte sind gesetzt und bei dem Fans eingespielt und dabei immer noch beängstigender Aktualität. Und wenn man von den zuletzt live gespielten Songs auf die neue Platte schließen darf, dann erwartet uns ziemlich guter Stoff. Die Auswahl ihrer Lieder ist melancholischer und trauriger, ob damit ein Hinweis auf die Richtung des neuen Albums gegeben ist? Man darf auf jeden Fall gespannt sein.


Turbostaat-Sänger Jan im Licht, Foto: Micha Schmidt

Zum Abschluss noch ein Wort zu den Besucherzahlen gesagt. Es ist traurig, dass solche Events, auch wenn sie am Ende der Festivalseason liegen, nicht mit dem gleichen Engagement besucht werden wie zu Beginn. Am Line-Up und dem Veranstalter kann es nicht gelegen haben und auch wenn jeder Einzelne einen guten Grund gehabt haben mag, nicht zu kommen, es ist insgesamt wirklich schade. Ich hab das Sterben der Jugendheimkonzerte miterlebt und weiß, dass eine Szene nicht nur dadurch fortlebt, dass Leute Konzerte anbieten, sondern auch, indem Leute die Angebote annehmen. Denn diejenigen, die da waren, hatten einen großartigen Abend verbracht.

(Micha Schmidt)

Links:
www.green-juice.de/special2
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www.twitter.com/GreenJuiceFesti

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