Krach im Gloria: So war The Dillinger Escape Plan am 15.08.2017 in Köln

Geschrieben von: Paul Schall am .

Die Freundinnen und Freunde, mit denen ich im Vorfeld über das Konzert gesprochen habe, waren alle der gleichen Meinung: Voll gut, aber zu viel „Gefrickel“. Natürlich kann ich diese Meinung natürlich nachvollziehen, aber für mich ist es auch genau das, was diese Band ausmacht. Das Unvorhersehbare des folgenden Taktes, die Liebe zum Detail. Dass auf einen Vulkanausbruch leichte Walgesänge folgen, auf einen Elefanten eine Fliege.

Vornehmlich schwarz gekleidete Menschen füllen die Apostelnstraße rund um das Gloria. Überall stehen kleine Gruppen in Hauseingängen oder auf den Bürgersteigen und unterhalten sich. Einige tragen Dillinger Escape Plan-Shirts. Glanz und Gloria habe ich mir immer anders vorgestellt, aber daran kann ich mich gewöhnen. Da ist sie also. Die finale Kölner Abschiedsshow von der Mathcore-Legende Dillinger Escape Plan. Auch nach über sechs Jahren Leben und Leiden in Köln habe ich noch immer nicht den richtigen Zeitpunkt gefunden, um mich pünktlich zu den unterschiedlichsten Konzertlokalitäten auf den Weg zu machen. Vielleicht ist die kölsche Überpünktlichkeit auch einfach nicht mein Ding. Die Folge ist diesmal, dass ich sowohl Number Twelve Looks Like You und God Mother verpasse, mir aber im Nachhinein von begeisterten DEP-Fans berichten lasse, dass beide Vorbands wohl großen Spaß gemacht haben.

Um 21:18 Uhr verstummt die Pausenmusik. Das Licht im Zuschauerbereich geht aus. Die Lichtshow beginnt. Dillinger Escape Plan betreten unter Jubel die Bühne. Metalhands und Fäuste werden in Richtung Decke gestreckt. Die Begeisterung kennt keine Grenzen. Dann erklingt die Gitarre gepaart mit ersten Beckentönen und das Feuerwerk kann beginnen. Sänger Greg Puciatio schreit und spuckt sich die Seele aus dem Leib, als würde er gegen einen Dämon kämpfen. Ich bin sicher, dass er an diesem Abend gewinnen würde. Gitarrist und letztes aktives Gründungsmitglied Ben Weinman betreibt Leistungssport. Er springt als gäbe es kein Morgen, um sich anschließend vom Publikum auf den Händen tragen zu lassen.

Die Lightshow erinnert an eine Großraumdisco, nur schneller, aggressiver und besser. Lichter schießen auf mich nieder und ich bin kurz davor die Orientierung zu verlieren. Dissoziation. Vor der Bühne Nonstop-Stagediving. Die Menschen tanzen, springen, rudern mit den Armen und schwitzen. Eine Stunde dauert das furiose Spektakel, dann verlassen die fünf Männer die Bühne. Doch das Publikum, die Fans, haben noch nicht genug. Minutenlanges Klatschen und „Dillinger“ Rufe. Auch nach fünf Minuten werden sie nicht müde und feuern weiter ihre Helden des Abends an. Und wie das bei großen Rockshows so ist, kommen Dillinger Escape Plan zurück. Greg Puciatio mit frischem, trockenem T-Shirt. Bereit für das große Finale - die Zugabe. Diese knüpft nahtlos an den Rest des Abends an und während des letzten Liedes „43% Turnt!“ entern die Zuschauerinnen und Zuschauer die Bühne, um die Band, den Abend und natürlich auch sich selbst zu feiern. Ein letztes Brüllen. Vorbei.

(Paul Schall)

Setlist:
Prancer
When I Lost My Bet
Milk Lizard
Panasonic Youth
Black Bubblegum
Symptom Of Terminal Illness
Weekend Sex Change
Hero Of The Soviet Union
Surrogate
Happines Is A Smile
One Of Us Is The Killer
Setting Fire To Sleeping Giants
Good Neighbor
Farewell, Mona Lisa
Zugabe:
Limerent Death
43% Turnt!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. To find out more about the cookies we use and how to delete them, see our privacy policy.

I accept cookies from this site.

EU Cookie Directive Module Information