Stagediving und Selfies: So war's bei den Satanic Surfers am 11.05.2017 im Underground Köln

Geschrieben von: Paul Schall am .

Konzerte im Underground Köln haben immer einen festen Zeitplan. Also versuche ich für gewöhnlich möglichst pünktlich da zu sein. So auch an diesem Abend. Die Satanic Surfers sind nach ihrer Auflösung 2007 und ihrer Reunion 2014 endlich wieder auf Clubshow-Tour und machten im Zuge dessen auch Halt in Köln. Für mich natürlich Pflichtprogramm, denn die Band teilt nicht nur ihr Geburtsjahr mit mir, sondern es war auch mein erstes Punkrockkonzert 2004 im Mannheimer JUZ. Vorband und Secret Gig waren damals Fabulous Disaster. Wirklich gut erinnern kann ich mich zugegebenermaßen nicht mehr, Genosse Alkohol hat damals einen guten Job gemacht. Aber es war zu 100 % eine große Party. So viel zur Vergangenheit.

Kurz nach 20 Uhr kommen wir ins Underground (Großer Raum) und steuern unseren Lieblingsplatz, das Podest, auf dem auch das Mischpult steht, an. Da wir beide keine Riesen sind, ist dies der ideale Punkt, um eine gute Sicht auf das Geschehen zu haben. Los geht es, wer hätte es erwartet, wenige Minuten nach 20 Uhr. Damniam aus Münster dürfen den Abend eröffnen und präsentieren den noch sehr rar gesäten ZuschauerInnen schnellem Pop-Punk, der mich phasenweise musikalisch sowie optisch sehr an Green Day erinnert. Sehr viele „Wohohohs“ und eine zu hohe Stimme, um mir wirklich zu gefallen. Danach 20 Minuten Umbau und pünktlich um 21 Uhr geht es weiter mit Bitter Grounds aus Utrecht (Niederlanden). Manch einer kennt vielleicht die in den 1990er Jahren relativ bekannte Band Beans. Das waren nämlich exakt die gleichen Menschen, die jetzt Bitter Grounds gegründet haben, um von Neuem anfangen zu können. Grundsätzlich sympathisch. Bitter Grounds beginnen ihre Show mit straightem Punkrock, der sofort zum Kopfnicken einlädt. Nach zwei Songs entwickelt sich der Sound immer mehr in Richtung Ska und Reggae. Das Publikum wird eingeladen, näher an die Bühne zu kommen. Dieser Bitte wird schnell nachgekommen. Suchte man bisher noch nach den Leuten, die das Konzert ausverkauft hatten, füllt sich der bis dato eher zuschauerarme Raum nach und nach mit Menschen, die Lust haben zu tanzen. Eine solide Show der Herren aus Utrecht, die meinen Geschmack genauso wenig traf wie vorher Damniam.

Und wieder 20 Minuten Umbaupause. Schnell einen Pfirsisch-Eistee kaufen und wieder auf den vorhin erwähnten Lieblingsplatz zurück. Pünktlich um 22 Uhr der Headliner des Abends. Die Band, auf die alle ca. 400 Menschen gewartet haben - Satanic Surfers. Schneller, melodischer Punkrock, der an diesem Abend einer sehr guten Hardcoreshow gleicht. Kein Gemackere, kein Tough-Guy-Scheiß. Das gesamte Underground ist in Bewegung. Kaum einer steht mehr, weil es schlichtweg nicht möglich ist, der tanzenden Welle zu entkommen. So schwappt der menschliche Wellengang von der einen auf die andere Seite und wieder zurück und reißt jeden mit, der nicht rechtzeitig einen Schritt nach hinten oder weiter Richtung Eingang gemacht hat.

In dem Moment als der Gesang von Rodrigo Alfaro erklingt, werden wie mechanisch Hände zu Fäusten geballt und lautstark Strophen und Refrains mitgesungen und geschrien. Stagediving trotz Absperrgitter und Sicherheitsdienst. Auch dieses Mal wieder eine große Party. Gitarrist Fredrik Jakobsen bezeichnet das Underground als seinen europäischen Lieblingsclub. Nach den Erlebnissen an diesem Abend, könnte man ihm das glauben. Muss man aber nicht. Neben mir ruft ein junger Mann unentwegt nach jedem zweiten Lied seinem hinter ihm stehenden Freund zu: „Wahnsinns-Show!“ Und damit hat er absolut recht. Rodrigo Alfaro schwebt nach der ersten Zugabe über der Menge und lässt sich auf Händen tragen. Eine weitere Zugabe und zum Abschluss ein Selfie. Band und Publikum. Punkrock im 21.Jahrhundert. Ob ich mich daran nochmal gewöhnen werde?!

(Paul Schall)

Links:
www.facebook.com/satanic.surfers.official
www.facebook.com/DAMNIAMOFFICIAL
www.facebook.com/BitterGroundsBand

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